Blasmusik fernab altbackender Folklore
Bild: Tschackert
Asien, Afrika, Lateinamerika: Das Jugend-Orchester Verl beherrscht nicht nur Pop- und Filmmusik, sondern auch Blasmusik exotischer Musikstile.
Bild: Tschackert

Pop, Neue Deutsche Welle, Symphonisches und natürlich viel Filmmusik bekamen die mehr als 1300 Besucher im Pädagogischen Zentrum bei den drei Konzerten am Wochenende zu hören. Besonders das Musikorchester Verl in seinen blauen Uniformen hat sein musikalisches Spektrum erweitert.

Dirigent Dietmar Kay profitiert schließlich immer mehr von der konsequenten Nachwuchsförderung des Musikvereins. Mit gut besetzten und gut ausgebildeten Registern kann das Erwachsenen-Orchester aus dem Vollen schöpfen. Ein differenziertes und harmonisches Klangbild ist das Resultat intensiver viermonatiger Vorbereitung auf das Konzert-Wochenende.

Und das bot ein fulminantes „Start Up“ in den Premierenabend. Dynamisch, temporeich, druckvoll gelang mit dem Auftaktlied von Steve McMillan ein perfekter Einstieg in den Abend. Dem folgte „Backdraft“. „Das Stück ist auch als ein Dankeschön an unsere Feuerwehrleute gemeint, die seit Jahren bei den Jahreskonzerten immer dabei sind“, erläuterte Michael Graute als einer von insgesamt vier Ansagern, warum das Hans-Zimmer-Filmmusik-Thema als Stück für das Jahreskonzert ausgesucht wurde.

Musikalischer Höhepunkt beim MVV-Auftritt war fraglos „Ross Roy“. Die Auftragskomposition beschreibt nicht nur die gleichnamige Schule in Australien mit einer alten Villa als Hauptgebäude, sondern gleichzeitig die dort vermittelten Tugenden wie Disziplin und Fleiß. Das durchaus anspruchsvolle Stück bekommt final einen symphonischen Anstrich, beim dem Fabian Rademacher mit einem Saxofonsolo brillierte.

Emotionaler Höhepunkt war das Medley aus Klassikern der Neuen Deutschen Welle, die Thiemo Kraas im Arrangement „80er Kult(Tour)“ verdichtete. Eine Hommage an Klaus Lage, Falco, Münchener Freiheit, Hubert Kah, die Spider Murphy Gang und ihre erfolgreichsten Hits. Das kam an. Vereinzelt war das Publikum erstaunlich textsicher und sang einfach mit. Nicht weniger abwechslungsreich waren die Auftritte der beiden Nachwuchsorchester des MVV.

Auftritte des Jugend-Orchesters (JOV) sind wie olympische Spiele: aufregend, spannend und überaus unterhaltsam. Kein Wunder also, dass die Jugendlichen auf die Idee kamen, ihren Programmteil zum „olympischen Jahreskonzert“ zu erklären, wie Sportler nach Registern gestaffelt einzuziehen und mit Blick auf die Winterspiele mit der Fanfare for Korea zu starten.

Es war nur der Auftakt einer musikalischen Weltreise, die in den USA mit dem Song „Batman Begins“ fortgesetzt wurde, mit „Pepe“ und einem formidablen Pasodoble über Lateinamerika nach Großbritannien in Form eines Amy-Winehouse-Medleys führte und mit „African Dreams“ zum Schluss kam.

Dort, wo die Jugend ihre musikalische Reise beendete, startete das Schüler-Orchester mit dem berühmten „Elefant Walk“ aus dem Film „Hatari“ mit Jon Wayne. Überhaupt war das Programm des Nachwuchses cineastisch geprägt. Mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ verzauberten nicht nur die beiden Ansagerinnen Lara Heising und Annika Merz, sondern auch die jüngsten Musiker anschließend ihr Publikum.

Brillante Vorstellung auch beim dritten Stück „By Dawn Early Light“ des von JOV-Mitgliedern unterstützten Schüler-Orchesters wie auch bei der Zugabe „Uptown Funk“. „Es macht Spaß mit dieser Truppe“, sagte Dirigent Anatole Gomersall.

Spielfreude und kontinuierliche Nachwuchsarbeit zahlen sich aus. Der Nachfolger von Andreas Berenbrinker, der im März als Vorsitzender aufhört, wird einen hervorragend aufgestellten Musikverein übernehmen.

SOCIAL BOOKMARKS