Erinnerungen an das Leben in der NS-Zeit
Bild: Tschackert
Erinnerungen der Zeitzeugen haben (v. l.) Katja Kosubek, Annette Huss, Josef Freise, Elke Hänel, Regina Bogdanow und Bürgermeister Michael Esken zusammengetragen. Die Ergebnisse werden ab morgen, Mittwoch, im Heimathaus gezeigt.
Bild: Tschackert

Menschen, die vor 1930 geboren wurden und die in Verl aufgewachsen sind, waren befragt worden. Die Ergebnisse werden ab morgen, Mittwoch, ab 18 Uhr im Heimathaus gezeigt. Katja Kosubek hat zusammen mit Regina Bogdanow, Matthias Holzmeier und Josef Freise mit den Zeitzeugen gesprochen. Auf 18 Plakaten sind Kernaussagen der Interviewten gebündelt. Insgesamt 36 Stunden hat Historikerin Katja Kosubek mit den Zeitzeugen gesprochen. Danach wurde das Material zusammengeschnitten.

„Teilweise habe ich drei Tage für den Schnitt eines Interviews gebraucht“, erzählt Katja Kosubek. Rund eine dreiviertel Stunde sind die Tondokumente jetzt lang. Arbeit, die sich gelohnt hat, weil sie nachfolgenden Generationen ein Gefühl für die Lebenswirklichkeit damals rettet. Die Befragung ist nicht wissenschaftlich-historisch angelegt gewesen, sondern orientierte sich am Alltagsleben der Jungen und Mädchen damals. „Es sind Kindheitserinnerungen“, betont die Wissenschaftlerin. Der Blickwinkel sei deshalb besonders gewesen.

Bei Erwin Berenbrinker, Jahrgang 1935 und 2018 verstorben, setzte die Kindheitserinnerung kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs ein. Luftalarm gehörte 1941 zum Schulalltag. Wenn die Sirenen aufheulten, wurden die Kinder nach Hause geschickt. Ein Keller bot Zuflucht. „Ein Keller war abgestützt mit Bahnschwellen“, erinnerte sich der bekannte Verler. Eine Kerze wurde immer mitgenommen. Und: „Rosenkranz beten war ganz wichtig.“ Diese Erinnerung von Erwin Berenbrinker ist dokumentiert worden.

Unter welchen Zwängen das Leben unter den Nazis in Verl stattfand, schilderte Anneliese Firchau. „Man musste da mitmachen, anders ging das nicht“, sagt sie über ihre Zeit im Bund deutscher Mädel (BDM). Ihre Lehrer hat sie als „schwere Nazis“ in Erinnerung. Selbst der Blockflötenunterricht fand unter dem Dach des BDM statt, wie Paula Mersch zu Protokoll gab. Sie belegt damit, wie groß der Einfluss des Nationalsozialismus auf das Leben der damaligen Kinder war. Ebenso präsent war die schlechte Versorgungslage mit Lebensmitteln bei den Befragten.

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