Erkenntnis lautet: Brettonien ist überall
Bild: Poetter
Wo sind die Schiffbrüchigen da bloß gelandet? Auf Brettonien, wo alle Menschen ein Brett vor dem Kopf haben. Aber wehe, die Fremden bezeichnen das Brett als Brett . . . Die Inszenierung des Literaturkurses des Verler Gymnasiums beeindruckte 300 Zuschauer.
Bild: Poetter

Als die Fremden dieses Brett dann „Brett“ nennen, werden sie als „Kainling“ und Spion abgestempelt und vor Gericht gestellt. Ihnen droht der Tod. Mit dem Schauspiel „Brett oder nicht Brett“ von Franz Jakubaß hat der Literaturkursus der Jahrgangsstufe zwölf des Gymnasiums Verl ein Stück auf die Bühne gebracht, das exemplarisch aufzeigt, wie Mensch, Gesellschaft und Justiz manipuliert werden können und wie leicht Unschuldige, auch in einem freien Land, in die Mühlen der Justiz geraten können.

Beispiele gebe es genug, heißt es im Programmheft: das Einparteiensystem des autoritären China, die absolute Monarchie in Saudi Arabien, aber auch der Lobbyismus in Demokratien. Das Stück hatten die Schülerinnen und Schüler selbst ausgesucht, wie Kursusleiterin Annette Schockenhoff erzählte. „Es gab keine Vorgaben.“

Mit drei Wochenstunden war der Literaturkursus im Übrigen ein reguläres Schulfach, das benotet wird. Es sei nicht nur darum gegangen, das Stück adäquat in Szene zu setzen und zu präsentieren, erklärt die Lehrerin. Die 25 Schüler hätten vielmehr gelernt, das Projekt von A bis Z durchzuführen. Die Gestaltung von Programm und Plakat gehörte ebenso dazu wie das in Kooperation mit dem Differenzierungskursus Kunst/Musik entstandene puristische Bühnenbild, Ton und Licht. „Wir hatten viel Spaß“, sagten Laurenz Kornfeld und Melanie Krause, die am Sonntag nicht nur an der Kasse saßen, sondern auch als Moderator und Richterin auf der Bühne standen.

Mit viel Spielfreude dabei waren auch die anderen Akteure. Joshua Carr und Pia Vorderbrüggen als Schiffsbrüchige, die in Brettonien vor Gericht stehen und dann – im Boot ausgesetzt – nach ihrer Rettung in ein freies Land, aber vom Regen in die Traufe kommen. Unter welch mentalem Druck die Brettonier selbst stehen, machte Jana Dering deutlich. Heimlich fordert sie Meinungsfreiheit. In der Gruppe aber ist sie ebenso verlogen wie ihre Mitbürger.

Und vor Gericht, egal ob auf der Insel oder dem Festland, ist Rabulistik Trumpf. Besonders große Bretter vor der Stirn trugen Leotrim Zeneli als Obermann und Sinan Kuscu, der die Sonntagsrede vom Bürgermeister gestisch gekonnt rüberbrachte. Die rund 300 Besucher waren begeistert.

SOCIAL BOOKMARKS