Friedhofskapelle mit Zellencharakter
Bild: Munkelt
In der Trauerhalle: Auch sie wirkt durch blauen Fliesenboden und weiße Wandziegel kühl. Die Betonwand ist ein Gesamtkunstwerk von Heinz Hollenhorst und darf nicht verändert werden.
Bild: Munkelt

Düster und kalt ist die Atmosphäre. So soll es nicht bleiben.

Vier mit jeweils neun Quadratmetern Größe nicht eben großzügige Räume stehen zur Aufbahrung der Toten zur Verfügung. Tatsächlich wirken sie wie Gefängniszellen: dunkelblau gefliest und quasi fensterlos; lediglich durch einen schmalen Schlitz unter der Decke dringt etwas Licht.

„Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß“, sagt Ptatschek unter zustimmendem Nicken seines Chefs Meinolf Wiedenhaus vom Fachbereich Hochbau und des Pfarrers Hermann-Josef Hölscher. Hölscher ergänzt, dass er oft von Angehörigen gehört habe: „Man kriegt ja einen Schlag, wenn man hier reinkommt.“ Viele äußerten den Wunsch nach einer freundlicheren Atmosphäre.

Die Vorschläge der Planer aus dem Rathaus sehen so aus: Aus den vier Zellen sollen durch Herausnahme der Wände zwei große gemacht und durch einen Anbau von etwa 33 Quadratmetern Größe ein dritter Abschiedsraum sowie ein Technikraum realisiert werden. Ein neuer Fußboden aus Holz oder Stein soll Wärme bringen, Fenster sollen Licht in die Trauerräume lassen und den Angehörigen ermöglichen, nach draußen zu schauen.

Auch in der 106 Quadratmeter großen Feierhalle ist die Atmosphäre eher kalt: Die Architekten möchten die weiß glasierten seitlichen Ziegelwände verputzen, den Boden austauschen, die Holzdecke heller streichen und für behaglichere Beleuchtung sorgen. „Und was ist mit der Betonwand?“, fragt ein Ausschussmitglied und weist auf die Stirnseite des Einsegnungsraums. „An die können wir nicht rangehen – Urheberrecht“, stellt Christian Ptatschek klar. „Die gesamte Wand ist ein Kunstwerk von Professor Heinz Hollenhorst.“ Denkbar sei ein Lichtstrahler, der auf das Kreuz gerichtet werden könnte.

340 000 Euro und ein halbes Jahr Bauzeit kalkuliert die Stadt für die Sanierungsmaßnahmen des 70er-Jahre-Baus ein. Die Politiker beraten demnächst darüber. Pfarrer Hölscher erinnerte daran, dass eine neue Orgel und eine Beschallungsanlage notwendig seien. In der Kapelle wurden ihm zufolge im vorigen Jahr 127 Trauerfeiern abgehalten.

Für die Mitglieder des Bauausschusses theoretisch aufbereitet hat der Fachbereich Hochbau auch den möglichen Neubau einer Friedhofskapelle nahe dem Ölbach und der Mühle am Ortseingang. 2,1 Millionen Euro veranschlagt er dafür. Der Bau läge näher an der Kirche und weiter weg vom Schulzentrum, dessen Betrieb in der jetzigen Kapelle bei Trauerfeiern störend zu hören sei, was Helmut Kaltefleiter (CDU) erneut zu bedenken gab.

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