Geld aus Kaunitz ebnet Weg in den Beruf
Treff in Kaunitz: (v. l.) Elisabeth Maasjost und Lawrent Mbemba kannten sich bereits aus Malawi. Tim Bohnenkamp fungiert als Tutor, Robert Zonga als weiterer Ansprechpartner.
Ende August geht es wieder in die Heimat. „Ich freue mich schon auf das Zima meiner Mutter“, sagt Lawrent Mbemba. Seine Augen leuchten beim Gedanken, bald wieder in Malawi sein zu können. Fast ein Jahr war er von seinen Eltern und sechs Geschwistern getrennt. Und selbst wenn er wieder daheim ist, muss der 26-Jährige 14 Tage in Quarantäne – wegen des Coronavirus. Die Pandemie hat auch die Zeit Lawrent Mbembas in Deutschland beeinflusst. 

Wenn man in das noch fast jungenhafte Gesicht schaut, dann kann man sich kaum vorstellen, dass das Skalpell in Malawi zu seinen Arbeitsgeräten zählt. Kaiserschnitte und Blinddarm-Operationen gehören zum Berufsalltag von Lawrent Mbemba. Klinisches Wissen auf mitteleuropäischem Standard hätte er sich gern in den vergangenen Monaten angeeignet. „Aber durch das Virus durfte ich leider kein Praktikum im Krankenhaus machen“, bedauert er. Gelernt habe er dennoch eine ganze Menge. „Natürlich kann man das, was Lawrent in Malawi macht, nicht mit unserem System und der Ausbildung vergleichen. Aber er will sich ja auch weiterbilden“, sagt Elisabeth Maasjost. 

Die Vorsitzende des Malawi-Projekts ist stolz darauf, dass Lawrent Mbemba, der das von den Kaunitzern finanzierte Stipendien-Programm durchlaufen hat, überhaupt die Chance bekommen hat, einen Beruf zu erlenen und jetzt sogar zu den ersten Afrikanern zählt, die mit dem neuen Austausch-Programm nach Deutschland kommen konnten. Die Monate hier wollte der 26-Jährige eigentlich nutzen, um gerade im Fach Gynäkologie sein Wissensspektrum zu erweitern. In der Heimat würde er sich gern in dieser Fachrichtung spezialisieren. Aber das Virus hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht.

„Dafür habe ich während der Corona-Zeit viel gelernt: Wie man hier mit dem Virus erfolgreich umgeht. Ich werde versuchen, zuhause ein paar Präventivmaßnahmen davon umzusetzen. Zumindest das, was möglich ist“, sagt der lebensfrohe junge Mann mit ernstem Blick. Wohlwissend, wie sehr sich seine Heimat von Deutschland unterscheidet. „Die Deutschen sind in allem, was sie tun, sehr fokussiert und arbeiteten hart“, beschreibt er seine Erfahrungen. Er verstehe die deutsche Mentalität jetzt besser, aber auch, warum Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt zähle. 

„Die Deutschen sind sehr freundlich und offen“, beschreibt der Austausch-Student seine Erfahrungen. Charakterzüge, die auch auf den Afrikaner zutreffen. „Ich bekomme viel Lob für meine Deutschkenntnisse, aber ich weiß, dass ich die Sprache nicht gut spreche.“

Lawrent Mbenba musste sich einem harten Auswahlverfahren stellen, bevor er nach Deutschland kommen durfte. „Eigentlich war die Bewerbungsfrist abgelaufen, wurde dann aber verlängert“, erklärt Elisabeth Maasjost, eine der Macherinnen des Malawi-Projekts in Kaunitz. Außer dem 26-Jährigen gab es weitere Bewerber, darunter ebenfalls eine ehemalige Stipendiatin des Schulprogramms, die jetzt als Lehrerin arbeitet. Lawrent konnte sich als Einziger aus Malawi durchsetzen. Sein Aufenthalt neigt sich jetzt dem Ende entgegen. 

Am 27. August geht es nach Hause. 30 Kinder unterstützt das Malawi-Projekt aktuell. „Und jedes hat im Anschluss eine berufliche Perspektive und einen Job, so wie auch Lawrent“, sagt die Kaunitzerin. Sie ist über die Erfolge des Programms glücklich. Malawi ist ein Binnenstaat im Südosten Afrikas. Das Land hat 19 Millionen Einwohner. Fast zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft. Das Pro-Kopf Einkommen beträgt 350 US-Dollar. Damit gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Kaunitzer Malawi-Projekt fördert die Landwirtschaft und die Bildung. Seit 2012 ist die Organisation in dem Land tätig.

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