Geleitschutz für gefährdete Amphibien
Bild: Dresmann
Bei passendem Wetter herrscht im Gras vor dem grünen Schutzzaun reges Treiben. Michael Schwan vom Heimatverein Verl sammelt dort regelmäßig Kröten, Molche und Co. ein, um sie sicher auf die andere Seite der Sender Straße zu bringen.
Bild: Dresmann

Durch den Lärm der vorbeifahrenden Autos würde man sie wahrscheinlich ohnehin nicht quaken hören. Michael Schwan stapft bei Nieselregen am Reptilienschutzzaun parallel zur Sender Straße entlang. Heute warten dort keine Kröten, sondern nur ein kleiner Molch auf ihn. Der Verler packt ihn in seinen schwarzen Eimer und bringt ihn auf die andere Straßenseite.

Knapp 250 Meter lang ist der Schutzzaun auf jeder Seite der Sender Straße. Sechs bis acht Wochen im Jahr steht er dort und soll verhindern, dass Amphibien auf dem Asphalt von den Reifen der vorbeifahrenden Autos zermalmt werden. „Würde der Zaun hier nicht stehen, wäre die Population in wenigen Jahren komplett ausgerottet“, ist sich Michael Schwan sicher. Er ist eigentlich Gärtnermeister und „schon mehr als 20 Jahre jedes Jahr an dieser Stelle unterwegs“, berichtet er.

Dass er heute nicht viele Tiere auf die andere Straßenseite bringen muss, liegt am Wetter. „Optimal sind acht Grad und nächtlicher Regen“, weiß Schwan. Dann sind die Eimer, die alle acht Meter hinter dem Schutzzaun in die Erde eingelassen sind, oftmals bis zur Hälfte mit Kröten gefüllt. Bei 4,5 Grad ist es den Tieren jedoch zu kalt.

Auf bis zu 400 Tiere schätzt Schwan die Population, die jährlich in ihre Laichgebiete an den beiden Seen, links und rechts der Sender Straße auf Höhe der Straße Am Ölbach, zurückkehrt. In den Anfangszeiten der Rettungsaktion seien es deutlich mehr gewesen, erinnert sich Schwan. Über die Gründe für den Rückgang könne er nur Mutmaßungen anstellen.

Da sowohl Kröten von links nach rechts als auch von rechts nach links die Sender Straße queren, stellt der Kreisbauhof dort im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde beidseitig Schutzzäune auf. In Gefahr begibt sich Schwan beim Krötensammeln in der Regel nicht. Trennt ihn auf der einen Straßenseite die Leitplanke vom fließenden Verkehr, kann er sich auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Fahrradweg aufhalten.

Bringt er die Tiere auf die andere Seite und entlässt sie aus ihrem Eimer, „bleiben sie in der Regel erst einmal stumpf sitzen“, sagt Schwan. Sie bräuchten eine längere Zeit, um sich wieder zu orientieren. „Dennoch finden sie immer wieder zielsicher in ihr Laichgebiet zurück“, weiß der 53-Jährige. Und spätestens seit einer der beiden Seen wieder ausgebaggert und so attraktiver für die Kröten geworden sei, sei das allmorgendliche Gequake in den Eimern auch manchmal wieder deutlich zu hören – trotz der vorbeifahrenden Autos auf der Sender Straße.

Michael Schwan kümmert sich um die insgesamt 500 Zaun-Meter und die davor strandenden Tiere nicht alleine. „Aktuell sind wir ein Team von fünf Personen“, weiß er. Entstanden ist die Aktion seiner Zeit aus der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz des Heimatvereins. Durch Letzteren ist die Gruppe bis heute organisiert. Aktuell ist er daher drei Mal in der Woche morgens am Schutzzaun zu finden, um nach Kröten in den Eimern zu sehen.

Viel Ausrüstung braucht er dafür nicht. „Festes Schuhwerk, Handschuhe und einen Eimer“, zählt Schwan auf. „Wir würden uns freuen, wenn wir die Gruppe auf sieben oder mehr Personen erweitern könnten“, sagt er. Interessenten würden selbstverständlich bei ihren ersten Kontrollgängen begleitet und könnten sich der Unterstützung der Gruppe sicher sein.

Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich entweder direkt im Heimathaus des Heimatvereins oder telefonisch bei Michael Schwan unter 0170/9969333 melden.

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