Gesamtschule mit Courage, ohne Rassismus
Die Gesamtschule Verl ist „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In einer Feierstunde hat Schulleiterin Tanja Heinemann (links) die Urkunde überreicht bekommen. Außerdem im Bild: (hinten v. l.) Michael Esken, Sabine Heidjann, Elmar Brok, (Mitte v. l.) Nicolai Domscheid, Leo Heitmeyer, Dana Mertensmeier, Kathtarina Feldhaus, (vorn v. l.) Ben Schewe und Leon Fromme

„Hier ist jeder so, wie er sein möchte“, sagte die Hauptdarstellerin des kurzen Bühnenspiels „Verliebt in Berlin“. In dem Theaterstück war zwar die Bundeshauptstadt gemeint. Der Satz soll allerdings auch zu den Verhältnissen an der Gesamtschule in Verl passen: Vielfalt statt Einfalt, buntes Miteinander statt Schwarz-Weiß-Denke. 91 Prozent aller, die an der Schule tätig sind – Schüler, Lehrer bis hin zum Hausmeister – haben sich zu den Zielen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekannt. „70 Prozent aller Menschen an dieser Schule braucht es, um überhaupt zertifiziert zu werden“, erläuterte Sabine Heidjann.

Das Besondere am Verler Beispiel ist, dass das Projekt von den Schülern organisiert wurde. „Die Schülerverwaltung und die Klassensprecher haben das Thema in die Klassen getragen. 15 weitere Gesamtschüler lassen sich im Zuge dessen zu sogenannten Zweitzeugen ausbilden“, betont Lehrer Nicolai Domscheid. Das heißt, dass sie sich mit Zeitzeugen beschäftigen und dieses Wissen in die Klassen weitergeben.

Leo Heitmeier, Dana Mertensmeier, Katharina Feldhaus, Ben Schewe und Leon Fromme zum Beispiel haben sich intensiv mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Antijudaismus auseinandergesetzt. Künftig soll die Geschichte eines Holocaustüberlebenden im Geschichtsunterricht erzählt werden. Mit Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Flüchtlingsdiskriminierung hatte sich die Schule bereits in der Vergangenheit auseinandergesetzt.

„In diesem Schuljahr kommt der Aspekt Rassismus noch dazu“, sagte Nicolai Domscheid, Lehrer für Politik, Wirtschaft und evangelische Religion an der Schule, der Projekte wie diese betreut. Langzeitprojekte sollen dafür sorgen, dass nicht nur ein nettes Schild an der Eingangstür hängt, sondern Werte wie Toleranz im Schulalltag praktiziert werden. Dazu haben sich die Schüler explizit in einer Erklärung verpflichtet.

Seit 1988 gibt es das Projekt, das von Jugendarbeitern aus Belgien konzipiert wurde, um etwas für eine offene Auseinandersetzung mit Diskriminierung aller Art zu tun. Bundesweit haben sich 2800 Schulen der Idee der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angeschlossen. In den Niederlanden, Österreich und Spanien wurden ebenfalls Schulen ausgezeichnet.

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