Hauptschüler gründen Aktiengesellschaft
Bild: von Stockum
Diese Achtklässler der Hauptschule Verl haben eine Firma gegründet.
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An der Hauptschule haben junge Projektteilnehmer schlichtweg eine Aktiengesellschaft gegründet. Die Idee ist im Rahmen der Berufsorientierung entstanden. In einem Kursus in Sachen Buchführung kam der Gedanke einer Firma auf. Neun Monate haben Schüler mit Anja Steinkemper-Rüther, die seinerzeit das Seminar gab, und der Senior-Experte Heinz Kühn den Nachwuchs bei der Gründung begleitet. Ab der kommenden Woche bietet das Unternehmen verschiedene Schreibmaterialien an.

Auch eigene Sekretärin gehört dazu

Dass das Konzept von vorn bis hinten gut durchdacht ist, haben am Donnerstag die Schüler bei einer Vollversammlung erfahren. Dort stellten die Verantwortlichen ihre Firma vor, die sogar über Verantwortliche für das Lager, Marketing, Einkauf, eine Sekretärin und natürlich Geschäftsführer verfügt. Kunden werden bald schon in jeder ersten großen Pause im Medienraum empfangen. Die zweite große Pause soll für die Abrechnung und Lagerarbeiten genutzt werden.

Schüler kaufen Anteilsscheine

Bis zur ersten Aktionärsversammlung stellt die Schulleitung den Aufsichtsrat – dann jedoch wird gewählt. Über den Verkauf der Anteilsscheine muss zunächst eine Art Kredit getilgt werden, den die Schülervertretung (SV) dem jungen Unternehmen gewährt hat. Schließlich musste man für die Waren in Vorleistung treten. Dazu waren etwa 900 Euro notwendig. Die Preise im Schulladen sollen sich nicht von denen im örtlichen Handel unterscheiden. Damit die Firma lange Bestand hat, wird sie von Schülergeneration zu Schülergeneration weitergegeben.

Die Besonderheit an der Firma: Schüler können Anteilsscheine kaufen. Sie sind für zehn Euro das Stück erhältlich. Läuft der Laden gut, dürfen die jungen Aktionäre in den kommenden Jahren mit einer Dividende rechnen. Wer klamm ist und lieber Bares in Händen hält, kann seine Anteile wieder verkaufen. Allerdings auch nur an das Unternehmen selbst. In den freien Handel werden die Aktien so nicht gelangen.

Unternehmer verstehen ihr Handwerk

Dass die jungen Kaufleute ihr Handwerk verstehen, haben sie am Donnerstag eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Lehrer und mehrere hundert Schüler wohnten einer Vollversammlung bei, für die im Vorfeld mit einer Verlosung die Werbetrommel gerührt worden war. Künftig wird es solche Zusammenkünfte mindestens einmal im Jahr geben. Dann allerdings nennen sie sich Aktionärsversammlungen.

Weitere Marktbereiche erschließen

Zunächst wollen sich die Nachwuchshändler auf Geodreiecke, Stifte, College-Blöcke und dergleichen beschränken. Anja Steinkemper-Rüther und Heinz Kühn schließen aber auch eine Erweiterung der Produktpalette nicht aus. So könnten beispielsweise Erzeugnisse aus dem Werk- beziehungsweise Kunstunterricht über die Ladentheke wandern. Und auch Benimmkurse lassen sich verkaufen.

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