Im Windschatten von Nobilia gewachsen
Lange Jahre zusammengearbeitet: (v. l.) Wilhelm Masjosthusmann, Werner Brodowy und Norbert Hüttenhölscher. Werner Brodowy war der erste Angestellte bei Hüttenhölscher Maschinenbau. Nun geht er in den Ruhestand.

1981 hatte Norbert Hüttenhölscher zusammen mit Wilhelm Masjosthusmann und Burkhard Reinke die Firma Hüttenhölscher Maschinenbau gegründet. „Nicht in diesem Maße“, antwortet Norbert Hüttenhölscher auf die Frage, ob diese Entwicklung seinerzeit vorauszusehen war. Einen der Gründe für das Wachstum kennt er jedoch: „Ein Stück Perfektionismus.“

Die Kombination mit Zuverlässigkeit wissen Auftraggeber besonders zu schätzen, die sich im Lauf der Zeit so zu Stammkunden entwickelt hätten. „Ein bisschen Glück gehört aber auch dazu“, weiß Daniel Hüttenhölscher. Der 42-jährige Diplom-Ingenieur ist 2008 in das Unternehmen eingestiegen.

1978 ist Norbert Hüttenhölscher allein angefangen. Auf dem Hof seines verstorbenen Vaters. Ein halber Tag Landwirtschaft und ein halber Tag Maschinenbau lautete damals der Plan. Für den Bau seiner ersten Maschine hatte Norbert Hüttenhölscher von seinem Auftraggeber vorab 10.000 D-Mark überwiesen bekommen – eine Anlage für die Möbelindustrie zum Lackieren von Deko-Leisten.

1981 wurde dann die GmbH gegründet und die erste Maschine zum Pressen von Holzrahmen ausgeliefert. Es kamen Maschinen zum Stapeln von CDs und Büchern hinzu oder solche, mit denen Krawatten nach dem Nähen von links auf rechts gezogen werden. 1984/85 kam dann das nötige Quäntchen Glück dazu.

Hüttenhölscher baute eine Korpuspresse für die Firma Nobilia. „Wir sind mit Nobilia großgeworden“, erzählt Norbert Hüttenhölscher. Der Großteil der Aufträge kommt heute aus der Küchenmöbel-Industrie. Einen zweiten Bereich bildet die Herstellung von Schweißanlagen für Kunststoffpaletten, die von der Firma Paul Craemer aus Herzebrock-Clarholz gefertigt werden.

Anders als in anderen Maschinenbaubereichen laufe es bei Hüttenhölscher momentan gut. So wird zum Beispiel gerade das Nobilia-Werk in Saarlouis mit Maschinen ausgerüstet. Im modernen Maschinenbau geht nichts mehr ohne Pflichtenheft. Darin wird genau festgelegt, was eine Maschine können muss. „Früher haben wir die Verträge per Handschlag gemacht“, so Norbert Hüttenhölscher.

Produziert wird an drei Standorten. Am Grasweg entstehen auf rund 6500 Quadratmetern die Grundkomponenten. Weitere 5500 Quadratmeter stehen an den Standorten in Schloß Holte und an der Österwieher Straße in Verl zur Verfügung. Die Halle an dem zweiten Standort in Verl ist mehr als 100 Meter lang. Ideal, um die Anlagen aufzubauen und zu testen. „Das minimiert die Zeiten für die Inbetriebnahme beim Kunden“, erklärt Daniel Hüttenhölscher.

Qualität, Termintreue, gute Ideen – alles Dinge, die entscheidend zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Doch ohne eine Komponente funktioniert gar nichts: „Gute Mitarbeiter“, sagt Daniel Hüttenhölscher. Und zwar solche wie Werner Brodowy, der als Monteur die Firma vor Ort beim Kunden vertritt. Der 63-Jährige ist Mitarbeiter der ersten Stunde und verabschiedet sich jetzt in den Ruhestand.

 „Wenn so jemand nach 37 Jahren geht, dann fehlt er. Das darf man nicht unterschätzen“, sagt Daniel Hüttenhölscher. Als Fachmann für Schweißanlagen für Kunststoffpaletten bei der Firma Craemer hinterlasse er eine große Lücke. Deshalb habe sich das Unternehmen gründlich auf das Ausscheiden von Werner Brodowy vorbereitet und einen Nachfolger eingearbeitet. Doch so ganz kann das Unternehmen auf den Rat des Fachmanns aus Stukenbrock noch nicht verzichten. Für Nachfragen stehe er auch weiterhin zur Verfügung.

Schließlich hat Werner Brodowy vor 28 Jahren die erste Maschine bei Craemer aufgebaut. Inzwischen sind es 15 Stück geworden. Es geht jedoch nicht nur ums Aufbauen und die Inbetriebnahme. Werner Brodowy hat im Lauf der Zeit die Maschinen auch weiterentwickelt. Auf seine Arbeit ist er stolz und sagt: „An den Anlagen dort schraube ich bis zu meinem letzten Arbeitstag.“ Aber auch abseits der fachlichen Kompetenz fühlt sich Werner Brodowy, der als „manchmal brummig, aber meist witzig“ beschrieben wird, der Firma verbunden. Schließlich hat er Hüttenhölscher Maschinenbau als Mann der ersten Stunde quasi mit aufgebaut.

In der Zeit sind auch Freundschaften entstanden. Die Kollegen schätzen den Ruheständler. Das zeigt die Abschlussfeier mit 70 Leuten im Bokelfenner Krug, die sie für ihn organisiert haben. „Sie sind mich noch nicht los, ich werde zwischendurch schon noch reinschauen“, erzählt Werner Brodowy.

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