Instrumentenfond „adelt“ Verler Musikerin
 
Laura Verena Möhr hat vom Deutschen Musikinstrumentenfond eine Baehr-Bratsche bekommen.
 

Mit 56 weiteren Bewerbern musste sie in einem dreitägigen Wettbewerb ihr Können unter Beweis stellen. Die Musikerin,  die just ihr Studium an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler mit dem Master abgeschlossen hat, wusste die Jury zu überzeugen.

Die 24-Jährige, die schon 2002 vom Fond mit einer Testore-Viola aus dem Jahr 1740 ausgestattet worden war, darf sich nun über eine noch junge Bratsche (2009) des in Paris ansässigen, mehrfach ausgezeichneten deutschen Instrumentenbauers Stephan von Baehr freuen. „Für einen Musiker ist es eine tolle

Der Deutsche Musikinstrumentenfonds wurde von der Deutschen Stiftung Musikleben als gemeinsame Initiative mit der Bundesrepublik Deutschland 1993 ins Leben gerufen, um vielversprechende Nachwuchs-Streicher zu fördern. Aus dem Anfangsbestand von 16 Instrumenten ist inzwischen ein Fundus mit rund 180 Geigen, Bratschen, Celli und Bässen geworden. Er umfasst sowohl historische Meisterstücke von Stradivari, Guarneri, Guadagnini oder Gagliano, die zum großen Teil Treugeber der Stiftung überlassen haben, als auch hervorragende moderne Instrumente, die als Auftragsarbeiten in europäischen Meisterwerkstätten hergestellt wurden. Die Stipendiaten erhalten die Instrumente zunächst für ein Jahr. Sie können diesen Zeitraum aber mit weiteren erfolgreichen Vorspielen bis zum Erreichen des 30. Lebensjahrs verlängern oder sich ein noch hochwertigeres Instrument erspielen.

Chance, ein hochwertiges Instrument mit seinem Spiel zu prägen“, sagt die Verlerin, die als Sechsjährige ihre Liebe zur Bratsche entdeckte – weil ihr die Geige der Schwester zu hoch klang.

Möhr erhielt anfangs bei Gesine Blomberg-Laurenz (Kreismusikschule) Unterricht, wurde 1998 Jungstudentin an der Musikhochschule Detmold und kam dann über Stationen in Weimar, Leipzig und Paris nach Berlin, wo sie bei Professor Tabea Zimmermann studierte. Schwerpunkt: Neue Musik.

Es ist die experimentelle Fülle dieser Stilrichtung, die Möhr, maßgeblich in kammermusikalischer Besetzung reizt: „Da ist man näher am Publikum, und jeder ist in die Programmstruktur und deren Ausgestaltung involviert.“ Ein Grund mit, warum sie sich jetzt europaweit nicht nur bei Orchestern, sondern vorrangig bei Ensembles bewerben wird.

Vorab aber zieht es die Verlerin erneut nach Paris, wo sie 2006/07 bei Jean Sulem studierte, der ihr „erst richtig die Ohren und Augen für die Musik öffnete“. Gemeinsam mit dem umworbenen, von Pierre Boulez gegründeten „Ensemble Intercontemporain“ (EIC) wird sie ab kommenden Montag Konzerte in Paris, Brüssel, Porto und Freiburg geben. Dabei kann sie ihre Vorliebe für verschiedene Stilrichtungen ausleben, denn das EIC frönt den Komponisten der Moderne. Und nicht von ungefähr würde Laura Verena Möhr das vom Ensemble-Leiter George Benjamin komponierte Bratschen-Duo spielen. „Atemberaubend, wie er die Motive einem Ping-Pong-Spiel gleich von einem Instrument zum nächsten schickt, wie Thema und Kontrapunkt wechseln und das alles mehrstimmig, so dass man glaubt, vier oder sechs Instrumente zu hören.“ Eine Herausforderung – erst recht auf einer neuen Bratsche.

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