Investoren sind kompromissbereit
Bild: Tschackert
Idylle pur herrscht im verwilderten Garten der Villa am Kiefernweg in Kaunitz. Sie soll modernem Wohnraum weichen. Insgesamt sollen auf dem Grundstück drei Mehrfamilienhäuser entstehen.
Bild: Tschackert

Auch der CDU ist der 33 Meter lange Baukörper zu massiv. Die Fraktion fordert Nachbesserungen. Fragen und Antworten zu dem Thema:

Wird am Kiefernweg so gebaut, wie es aktuell in den Plänen verzeichnet ist? Nein. Bei den Plänen von Architekt Till Kaiser (Bild) handelt es sich um Vorplanungen, die sich auf die wichtigsten Rahmeninformationen beschränken, damit sich Dritte im wahrsten Sinn des Wortes ein Bild machen können. Zudem hat sich die CDU-Ratsfraktion bei ihrer Sitzung eine klare Meinung gebildet. Die künftige Bebauung soll sich in die Gegebenheiten architektonisch einfügen und sich an den Vorgaben des nicht weit entfernten Baugebiets Köldingsweg orientieren. Dort sind Mehrfamilienhäuser mit maximal sechs Parteien vorgesehen. Allerdings geben die Pläne Stil, Form und Größe der Baukörper wieder. Und auch die Gebäudehöhe, die unter neun Metern bleiben soll. „Etwas anderes wäre nicht zu vermitteln“, so Robin Ricksneuwöhner.

Wie lauten die Hauptkritikpunkte der Anwohner? An drei wesentlichen Punkten reiben sich die Nachbarn: Sie befürchten, dass es mehr Verkehr geben wird und dass sich die Parksituation durch die steigende Zahl der Bewohner deutlich verschlechtern werde. Außerdem stört die Anlieger die massive Bauweise der insgesamt drei Gebäude, die ein Staffelgeschoss aufweisen sollen. Das entspräche nicht der Prägung des gewachsenen Wohnviertels. Insbesondere stört die Nachbarn aber das massive Hauptgebäude mit 33 Metern Breite, das direkt am Kieferweg entstehen soll. Das, so Kaiser, könnte aber auch anders, gefälliger gestaltet werden. Sorge bereitet den Anliegern, dass die Kanalisation endgültig überfordert wäre und es regelmäßig zu Überschwemmungen in ihren Häusern kommen könnte.

Ist das Bau-Vorhaben überhaupt rechtens? Ja, die vorgestellten Pläne wären so grundsätzlich genehmigungsfähig, stellte Thorsten Herbst, Beigeordneter der Stadt Verl, mehrmals klar. Dennoch wurde das Antragsverfahren ausgesetzt, um einen gütlichen Kompromiss zwischen Investoren und Anliegern zu vermitteln. Das Prozedere der Stadtverwaltung, Bürger frühzeitig zu informieren und einen Meinungsaustausch in Form einer Bürgerveranstaltung zu initiieren, ist mittlerweile gängige Praxis in der Ölbachstadt. Die Investoren zeigten sich bei der Bürgerversammlung am Mittwoch kompromissbereit.

Was soll am Kiefernweg gebaut werden? 23 bis 25 kleinere Wohnungen, die in der Mehrzahl 60 bis 70 Quadratmeter groß sein sollen. Zielgruppe sollen laut den Investoren Thomas Henke und Stefan Güttler vor allem Senioren sein. Gemäß der städtischen Umfrage „Älter werden in Verl“ bestehe, laut Bürgermeister Michael Esken (CDU) Bedarf an kleineren und günstigeren Wohnungen für ältere Menschen. Ob das auch für den Standort Kaunitz gilt, wurde nicht ermittelt. Es sollen Tiefgaragenplätzen und zusätzliche Parkflächen entstehen. „Statistisch hat jede Wohneinheit 0,6 Autos“, sagte Architekt Till Kaiser. Forderung der Stadt Verl bei Neubauten sind allerdings 1,25 Stellplätze. „Daran werden die Investoren nicht vorbeikommen“, so Bürgermeister Michael Esken. Offen ist, ob die Wohnungen vermietet oder verkauft werden sollen.

Ist eine Bebauung von 23 bis 25 kleineren Wohnungen überhaupt wirtschaftlich oder kann das Projekt noch kippen? „Wir sind mit der jetzigen Planung schon hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit angekommen“, stellte Kaiser fest. Eine weitere Option: Jemand will die Villa mit dem 3558 Quadratmeter Grundstück kaufen. Auch das sei laut Investor Stefan Güttler noch immer möglich.

Fühlen sich die Anwohner mit ihrem Protest ernstgenommen? Teils. Die sehr kurzfristige Anberaumung der Bürgerinformationsveranstaltung weckte den Argwohn der Anlieger. Eine Beruhigung sei die Stellungnahme der CDU-Fraktion gewesen, die den derzeit geplanten Baukörper auch zu massiv findet.

Wie geht es jetzt weiter? Der Architekt wird die Pläne überarbeiten und sie dann dem Bauausschuss erneut vorlegen. Eine Entscheidung ist in der nächsten Sitzung aber noch nicht zu erwarten.

Wollen die Anwohner juristisch gegen das Projekt vorgehen? Zumindest ein Nachbar hält sich diese Schritte vor, weil er eine massive Verschattung seines Grundstücks befürchtet und auch nicht möchte, dass die künftigen Anwohner in seinen Garten schauen können.

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