Jeder Schritt ist Präzisionsarbeit
Bild: Fortmeier
Doppelte Vorfreude auf die neue Orgel, die im Frühjahr 2016 fertig sein soll. Pfarrer Joachim Cruse (links) und Organist Engelbert Schön in der Kaunitzer Marienkirche.
Bild: Fortmeier

Schon mehrfach war er in den vergangenen Wochen in der Werkstatt des Verler Orgelbauers Friedrich Kampherm, um ihm bei seinen Arbeiten über die Schulter zu schauen. Kampherm baut die neue Orgel für die Kaunitzer Pfarrkirche St. Marien Immaculata. „Es ist aufregend, wenn man miterleben kann, wie solch eine Orgel täglich mehr wächst und wie sie entsteht“, sagt Schön.

Jeder Arbeitsgang sei Präzisionsarbeit, erfordere viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Es braucht eine Menge Erfahrung, zu bestimmen, welche Pfeifenmensuren dem Kirchenraum angemessen sind“, sagt Orgelbauer Dirk Dreps. Man arbeite derzeit auch daran, viele der alten Pfeifen aufzuarbeiten und vom Schmutz der Jahre zu befreien. Es sei erstaunlich, wie gut erhalten viele der Orgelpfeifen noch seien. In der neuen Orgel wird das teils historische Material durch neues ergänzt. Waren in der alten Orgel etwa 1200 Pfeifen angeordnet, wird die neue rund 1700 bis 1800 Exemplare in unterschiedlichen Größen bekommen, die nicht wie bislang in zwei Etagen angeordnet sein werden, sondern hintereinander.

Diese Maßnahme diene der Stimmhaltigkeit der Orgel und hat zusätzlich den Vorteil, dass der Klang künftig nicht mehr durch die Chöre, die bei Konzerten teilweise auf der Orgelbühne singen, beeinflusst wird. Und warum werden so viele Pfeifen benötigt? Jede kann nur einen Ton erzeugen. Das heißt, pro Klangfarbe werden 56 Pfeifen, die ein Register ergeben, benötigt. „Insgesamt wird die neue Orgel über 31 klingende Register und vier Transmissionen verfügen“, sagt Orgelbauer Dirk Dreps.

Überhaupt sei das Kapitel Orgelbau mit seinen Pfeifen ein sehr komplexes und interessantes Thema. „Orgelpfeifen bestehen aus einer Zinn-Bleilegierung“, sagt Organist Engelbert Schön. Ein höherer Zinnanteil mache den Klangton härter und schärfer, ein hoher Bleianteil mache ihn weicher. Auch bei dem Bau der Windladen, die den Wind in die Pfeifen leiten, müsse akribisch aufgepasst werden. Auch Pfarrer Joachim Cruse ist voller Vorfreude. „Wir haben den Neubau dieser Orgel in Auftrag gegeben, weil wir an die Zukunft dieser Kirche und dieser Kirchengemeinde glauben. Wir werden das schon stemmen“, sagt Joachim Cruse.

SOCIAL BOOKMARKS