Jugendhaus sollte gut erreichbar sein
Kriterien, die ein neues Jugendhaus erfüllen sollte, nennt Patrick Bullermann, Leiter des Jugendamts, im „Glocke“- Interview.

„Die Glocke“: Warum benötigt Verl ein weiteres Jugendhaus?

Bullermann: Die beiden bestehenden Jugendhäuser machen gute Arbeit. Aber der Schwerpunkt liegt eher auf Angeboten für Kinder. Für Jugendliche ab 14 Jahren fehlt hingegen etwas. In der Fachsprache reden wir von Dimensionen in der Jugendarbeit. Zehn Stück gibt es. Der Schwerpunkt liegt in Verl derzeit auf den Bereichen sport- und freizeitorientiere Jugendarbeit sowie Kinder- und Jugenderholung. Die Angebotspalette sollte erweitert werden.

„Die Glocke“: Könnte man das denn nicht in den bestehenden Einrichtungen leisten? Zum Beispiel, indem man das Personal aufstockt?

Bullermann: Wir sehen das aus einem anderen Blickwinkel. Beide Jugendhäuser werden von den Kirchen geführt. Die Oase von der evangelischen, das Jugendnetzwerk von der katholischen Kirchengemeinde. Wir finden es aber sinnvoll, wenn man einen konfessionslosen Träger hinzunimmt, um auch etwas Neutrales anbieten zu können. Freie Träger kommen ebenso in Frage wie die Kommune. Für die Heterogenität in der Jugendarbeit ist es wichtig, unterschiedliche Träger zu haben. Früher hatten wir bei den Kindergärten auch nahezu nur kirchliche Einrichtungen. Das hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Ähnlich könnte es nun bei den Jugendhäusern laufen.

„Die Glocke“: Wenn wirklich ein weiteres Jugendhaus käme, wäre es dann aber doch eine Konkurrenz zu den beiden Einrichtungen.

Bullermann: Wir sehen das nicht so. Noch mal: Beide Häuser machen gute Arbeit. Die Angebote für Kinder in der Oase und im Netzwerk sollen weiterentwickelt und ausgebaut werden. Aber was ist mit Angeboten für Jugendliche mit einer anderen inhaltlichen Ausrichtung? Die fehlen.

„Die Glocke“: Welche Schwerpunkte könnte ein neues Jugendhaus setzen?

Bullermann: Ich habe anfangs von den zehn Dimensionen der Jugendarbeit gesprochen. Dazu gehört zum Beispiel auch eine politische und soziale Bildung. Das ist ein Bereich, der bisher zu kurz gekommen ist. Und die Jugendlichen sind heute politisch interessiert. In einem Jugendhaus könnte es zum Beispiel darum gehen, wie die Besucher sich politisch einbringen könnten.

„Die Glocke“: Welche Angebote für Jugendliche kommen außerdem in Frage?

Bullermann: Zum Beispiel kulturelle Jugendarbeit. Das kann ein Poetry Slam ebenso sein wie ein Konzert mit Bands. Hinzu kommt die Medienarbeit. Jugendliche kommunizieren über ganz andere Kanäle als die Kinder und Erwachsenen. Denkbar ist zum Beispiel ein Angebot, wie man Videos für Youtube schneidet und welche rechtlichen Aspekte man dabei beachten muss.

„Die Glocke“: Wer geht heute eigentlich noch in ein Jugendhaus?

Bullermann: Ich glaube schon, dass es viele Jugendliche gibt, die in so eine Einrichtung gehen würden. Die Studie hat aber auch gezeigt, dass viele die Angebote gar nicht kennen. Man müsste deshalb dafür sorgen, die Jugendarbeit bekannter zu machen. Wenn dann auch das Angebot passt und die Ausstattung stimmt, kommen die Besucher auch.

„Die Glocke“: Wie ist das weitere Vorgehen? Wo könnte das neue Jugendhaus entstehen?

Bullermann: Das wissen wir auch noch nicht. Wichtig wäre, dass das neue Jugendhaus gut erreichbar ist, also auch über den öffentlichen Personennahverkehr. Es ist wichtig, dass es attraktiv ausgestattet ist. Es sollte nicht in einem Keller oder einen Hinterhof angesiedelt werden, sondern es sollte sichtbar sein.

„Die Glocke“: Wann soll über die neue Einrichtung entschieden werden?

Bullermann: Zunächst wird der Bericht in den Fraktionen diskutiert. Anfang Dezember wird dann im Jugendhilfeausschuss diskutiert. Abschließende Beschlüsse dürften 2020 fallen. Das heißt: Vor 2021 wird nichts umgesetzt. Wir sind ja auch nicht unter Zeitdruck. Schließlich haben wir derzeit ein Angebot, das gut ist, wenn auch an der einen oder anderen Stelle ausbaubar.

SOCIAL BOOKMARKS