Kurioses aus dem Postfach der Tagesschau
Bild: Munkelt
Vergnügliche Einblicke in die Zuschauerzuschriften an die Tagesschau-Redaktion gab Jan Hofer in der Verler Bibliothek (stehend: Leiterin Claudia Thye) zum Besten. Anschließend war er Gastredner beim Verler Wirtschaftsgespräch im Rathaus.
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Hofers Buch „Liebe Lottofee, anbei meine Zahlen für die kommende Woche“ versammelt die skurrilsten Zuschriften von Zuschauern an die ARD, an die Redaktion der Tagesschau und direkt an den Sprecher Hofer. Etwa die des älteren Mannes, der ausführlich seine Wetterfühligkeit schildert: „Rechter Zeh kribbelt: Gewitter kommt. Schwere Beine: Niederschläge. Verdauungsprobleme: Westwind.“ Es gebe doch sicherlich noch mehr Wetterfühlige. Der Vorschlag des Zuschauers: „Wenn die nun alle bei Ihnen anrufen täten und Ihnen sagen würden, welches Zipperlein sie gerade quält, dann könnten Sie daraus doch bestimmt einen vorzüglichen Wetterbericht machen.“

Tausende Zuschriften im Monat

Im Zeitalter der E-Mail erreichten die Redaktion tausende Zuschriften pro Monat, berichtet Hofer (59). „Früher musste man die Schreibmaschine rausholen, den Brief tippen und zur Post bringen. Das dauerte; da war der Ärger oft verflogen. Heute habe ich noch nicht zu Ende gesprochen, dann ist schon eine E-Mail da.“

Sprache in 70 Prozent das Thema

In 70 Prozent der Fälle sei die Sprache das Thema. Aussprache, Grammatik. Oft haben die Schreiber recht, oft aber blamieren sie sich auch, etwa wenn sie Hofer tadeln, dass Neckarsulm doch Neckars-Ulm ausgesprochen werde. Wird es nicht, denn die Stadt liegt am Zusammenfluss von Neckar und Sulm. Das erklärt Hofer dem Meckerer – und der reagiert in diesem (seltenen) Fall einsichtig mit der knappen Feststellung: „Fernsehen bildet.“

Objekt weiblicher Begierde

Jemand, der fast täglich in Millionen Wohnzimmer flimmert, wird unweigerlich zum Objekt der Begierde. Eine Frau schrieb Hofer, sie passten sicherlich prima zusammen, und sie werte es als Zeichen, wenn er das nächste Mal bei der Tagesschau seine rote Krawatte trage. An jenem Abend werde sie am Sendertor auf ihn warten. Hofer kommentiert die Anekdote launig: „Die Krawatte habe ich nie wieder getragen.“

„Wäre nett, wenn Sie mir antworten könnten“

Ein Schüler schrieb, er habe „in der Schule das Thema Speiseröhre“, wisse aber nicht viel darüber. „Wo liegt sie, wofür braucht man sie und all sowas brauche ich in den nächsten fünf Tagen. Wäre nett, wenn Sie mir antworten könnten.“

Der Journalist Jan Hofer macht sich die Mühe, jede Zuschrift zu beantworten. Ausnahme: etwa solche mit verhetzendem, rassistischem Inhalt. „Die kommen sofort in den Papierkorb.“

Sein Buch versammle die Kuriositäten, betont Hofer. „98 Prozent unserer Zuschriften sind ganz vernünftig.“ Hinweise zum Beispiel auf die korrekte Aussprache ausländischer Namen nehme die Redaktion an und trage sie in eine Datenbank ein.

Manche meckern jeden Tag

Alle Tagesschau-Sprecher kennen ihre Pappenheimer. Vor allem die ungnädigen. „Manche schreiben jeden Tag. Da reicht ein Verhaspler von mir am Vorabend.“ Ein Mann „hier aus Ihrer Region“ mahne alle paar Wochen die französische Aussprache des Worts „Journalist“ an. „Dabei spreche ich es ja genauso aus“, sagt Hofer.

Vielleicht bekommt er ja bald Post aus Verl. Als Bibliotheksleiterin Claudia Thye in die Runde schaut: „Gibt es noch Fragen?“, tönt es aus dem Publikum: „Wir schreiben.“ Großes Gelächter.

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