Marktchef und das Volksfest Verler Leben
Foto: Steinecke
Das Verler Leben 2020 wäre sein letztes als Marktmeister gewesen: Detlev Fust geht im Mai 2021 in den Ruhestand. Nun bleibt nur ein Rückblick.
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„Dass das Verler Leben einmal ausfallen könnte, hätte ich nie gedacht“, gibt Detlev Fust zu. Fast 30 Jahre hat er das Fest organisiert, bei ihm liefen stets alle Fäden zusammen. Das Verler Leben 2020 wäre sein letztes als Marktmeister gewesen – denn im Mai 2021 geht Fust in den Ruhestand. Ein Anlass, gemeinsam mit Detlev Fust zurückzublicken. 

Das erste Verler Leben: 1992 stieg Detlev Fust in die Organisation des Fests ein, indem er von dem plötzlich verstorbenen Amtsleiter Udo Graffunder die Aufgaben als Marktmeister übernahm. Und sorgte gleich im ersten Jahr für Wirbel, indem er den Schaustellern nicht wie gewohnt ihre Stammplätze zuwies, sondern die Plätze einfach neu mischte. Ein fataler Fehler, wie Fust schnell merkte, denn die Aufregung war groß. Rasch lernte er: „Jeder Stand braucht seinen bestimmten Platz, damit die Geschäfte laufen. Schon ein paar Meter Unterschied oder die richtige Straßenseite sind entscheidend.“ Seit dem Fauxpas im ersten Jahr versucht der Marktmeister deshalb stets, alle Stammplätze und Wünsche zu berücksichtigen – fast immer mit Erfolg. 

Nach dem Fest ist vor dem Fest: Die Planungen für das Verler Leben laufen das ganze Jahr. Die Auswahl der Bewerber muss getroffen und Verträge müssen geschlossen werden. Die meisten Zusagen an die Schausteller und Händler gehen bereits im November raus. Acht Wochen vor dem Fest beginnt die heiße Phase. Viele Einzelheiten sind abzustimmen. Fällt ein Fahrgeschäft oder Stand kurzfristig aus, muss Ersatz her. Manchmal zittert Detlev Fust bis zum letzten Moment, ob das gebuchte Fahrgeschäft auch wirklich kommt. „Die Konkurrenz an Festen ist groß. Und für den Aufbau größerer Fahrgeschäfte lohnen sich länger dauernde Veranstaltungen natürlich mehr. Wenn da kurzfristig ein anderes Engagement lockt, kassieren wir schon mal eine Absage“, erzählt Fust. Deshalb plant er immer mit Fahrgeschäften, die man notfalls auch quer stellen kann. „Wenn kein Ersatz mehr zu bekommen ist, lässt sich damit eine Lücke füllen und keiner merkt’s“, verrät er einen Marktmeister-Trick. 

Laufen, laufen, laufen: Mit der Platzvergabe und vor allem ab dem ersten Festtag beginnt für Detlev Fust der sportliche Teil. Um immer präsent und ansprechbar zu sein, dreht er fast pausenlos seine Runden. „Denn irgendwo gibt es immer ein Problem, sei es mit der Strom- oder Wasserversorgung oder dass an einem Standplatz etwas im Weg ist.“ 12 bis 13 Kilometer können so pro Tag zusammen kommen.

Veränderungen: Als Detlev Fust das Volksfest Verler Leben 1992 übernahm, steckte die EDV noch in den Kinderschuhen. Die Schreibmaschine war das wichtigste Arbeitsgerät, vervielfältigt wurde mit Matrizen. Erst um das Jahr 2000 begann der Einsatz von Computern, die vieles erleichterten. Im Laufe der fast 30 Jahre hat sich auch das Rahmenprogramm immer wieder verändert: So gab es beispielsweise mal eine Mini-Playback-Show, eine Modenschau und einige Jahre auch eine Verlosung. Gut erinnert sich Fust auch noch an den Versuch, das Mehrweggeschirr zu verbannen und stattdessen ein Spülmobil zu installieren. „Das war aber nicht praktikabel und hat sich nicht durchgesetzt.“ Genauso wenig wie die Einführung des Glaspfands. Bei allem Wandel hat sich eines aus Fusts Sicht nicht geändert: „Das wichtigste beim Verler Leben ist für die Besucherinnen und Besucher die Geselligkeit. Man trifft sich und feiert zusammen“, meint er. 

Das Verhältnis zu den Schaustellern: Etwa die Hälfte der Schausteller beim Verler Leben, sagt Detlev Fust, sei dem Fest mindestens schon so lange treu, wie er Marktmeister ist. Manche seien auch noch länger dabei. „Im Lauf der Jahre ist ein Vertrauensverhältnis entstanden. Und das ist für meine Arbeit auch ganz wichtig.“ Und so geht es Detlev Fust auch durchaus nahe, wie sehr gerade diese Branche unter der Coronakrise leidet. „Vor allem den kleineren Unternehmen dürften größere Rücklagen fehlen, um eine lange Durststrecke zu überstehen“, sorgt er sich. 

Und 2021? „Ich hoffe sehr, dass das Verler Leben im nächsten Jahr wieder stattfinden kann“, so der langjährige Marktmeister. Und was wird er selbst am ersten Verler-Leben-Wochenende ohne ihn als Marktmeister machen? „Ich werde bestimmt mal vorbeischauen und das Fest aus neuer Perspektive betrachten: ganz entspannt als Besucher“, sagt er.

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