Mithäftling gequält: Haft verlängert
Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft hat das Schöffengericht Gütersloh einen Strafgefangenen verurteilt.

Das neue Strafmaß kommt hinzu wegen eines Versuchs des schweren Raubs und vorsätzlicher Körperverletzung, begangen am späten Abend des 28. April 2012 in der Außenstelle Verl der JVA Bielefeld-Senne. Als einziger Zeuge sagte das Opfer aus. Es war zur Tatzeit Mithäftling.

Die Vorsitzende Richterin, Staatsanwalt und die zur Pflichtverteidigung beigeordnete Rechtsanwältin Julia Kostelka aus Iserlohn einigten sich nichtöffentlich auf der Strafmaßobergrenze von zwei Jahren und drei Monaten. Dem folgten Ankläger und Richterin. Die Verteidigung plädierte für eine zusammengefasste Strafe von zwei Jahren. Alles beruhte auf der Basis, dass der Angeklagte, der vor drei Tagen das 27. Lebensjahr vollendete, sich geständig zeigte.

Danach hat er nach dem Genuss einer halben Flasche Wodka und ein „bisschen Whisky“ – alles eingeschmuggelt – mehrfach einen Mithäftling in den Nacken geschlagen, weil dieser ihm seine Tätowierung dort nicht erklären konnte. Es ging brutaler weiter mit der Androhung, ihn mit einem vorgehaltenen Besenstiel sexuell zu missbrauchen und auch später unter der Dusche nicht in Ruhe zu lassen. Der Verängstigte weinte. Er musste niederknien und erhielt eine halbe Stunde später in seinem Haftraum noch einmal mehrere Schläge. 100 Euro Schutzgeld sollte er zahlen und für einen anderen Zeugen noch einmal 50 Euro Leihgebühr für eine Jogginghose.

Vor Gericht schilderte der Geschlagene: „Er hat mir eine verpasst, dass ich mit dem Kopf etwas gegen die Wand geknallt bin.“ Er machte Meldung, und der Schläger wurde in den geschlossenen Vollzug zurückverlegt. Das Malträtieren eines Menschen, der in der Haftanstalt nicht davonlaufen kann, wertete die Richterin als erschwerend. Alle Plädoyers kamen überein, dass der Alkohol mit seiner enthemmenden Wirkung zu einer Spontantat geführt habe, bei der zahlreiche Gefangene zusahen. Bewährung schlossen Ankläger und Richterin von vornherein aus. Der Verurteilte, in Oberschlesien geboren, kam mit zwei Jahren nach Deutschland.

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