Netter Typ mit natürlicher Autorität
Heinrich Kranz auf seiner Ruhebank: Nach 27 Jahren als Hausmeister an der Verler Realschule ist er jetzt mit einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet worden.

In seinen 27 Jahren an der Realschule hat er einen ganzen Sack voller Sympathiepunkte gesammelt. Von allen Seiten. Jetzt wurde Heinrich Kranz in einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet.

„Er ist wirklich ein Guter. Ich würde ihn sofort wieder einstellen“, sagt Schulleiter Bernhard Hilgenkamp, der den 65-Jährigen nur schweren Herzens ziehen lässt. Kein Wunder, denn Heinrich Kranz hat ein Motto: Geht nicht, gibt’s nicht. „Eigentlich ist uns ja zum Heulen zumute“, sagt Susanne Oeffelke vom Schulsekretariat, die ihn schon jetzt vermisst. „Meine gute Seele“, sagt Heinrich Kranz, den alle Schüler nur Heiner rufen.

Irgendwie hat sich das so eingebürgert, und Heiner gefällt es. Unkompliziert ist das, so wie der gelernte Klempner und Installateur selbst. Wichtigste Eigenschaft ist für ihn, ein netter Typ zu sein. „Das ist wichtig, denn man ist ja mit Kindern zusammen“, erklärt er. Dabei funkeln seine Augen freundlich durch die Brille, und der Schnäuzer zuckt.

Als er einst im Januar seinen Dienst antrat, übernahm er den Job von Reinhold Pieper. Der Mitarbeiter des Bauhofs hatte interimsweise den verstorbenen Hermann Kühljürgen ersetzt. Viel hat er sich seitdem selbst erarbeitet. Eine gesunde Portion Neugier ist unerlässlich. Ebenso Improvisationstalent. Der Laden muss halt laufen.

Hinzu kommt eine gehörige Portion an Organisationstalent. Veranstaltungen müssen geplant, Ausrüstung muss besorgt werden. Das Wichtigste aber ist der Umgang mit den Menschen. „Man darf die Nase nicht nur auf dem Boden haben“, sagt Heiner. Und so läuft er mit offenen Augen durch die Schule. Tröstet, wenn jemand Trost braucht, oder schlichtet auch schon mal eine Rangelei. Zu schreien braucht er dafür nicht.

Eine natürliche Autorität umgibt ihn, so dass ihm automatisch der nötige Respekt entgegengebracht wird – trotz des Duzens. Am meisten bedauert Heiner, dass es seinen Kiosk nicht mehr gibt. Der war immer Treffpunkt an der Schule. Beim Klön am Kiosk hatte er stets ein offenes Ohr für die Schüler, und wenn mal der eine oder andere Cent fehlte, ließ er Fünfe gerade sein.

„Am Ende passte das schon. Andere haben dann mehr gegeben“, erzählt er lachend. Mit souveräner Gelassenheit kommt man halt weiter als mit Pfennigfuchserei. „Nach so langer Zeit freue ich mich auf den Ruhestand. Es müssen auch mal Jüngere ran. Außerdem möchte meine Frau auch noch etwas von mir haben“, sagt Heinrich Kranz, dessen Nachfolger Jochen Pape in große Fußstapfen tritt.

Irgendwie kann der Heiner mit allen gut. Schon als Installateur war er der Mann für die schwierigen Fälle. Auf das vierteljährliche Hausmeistertreffen freut er sich stets. Dann trifft er auch die ehemaligen Kollegen wieder, mit denen er sich ebenso gut versteht wie mit den aktuellen. Von den drei Schulleitern Ferdinand Altmiks, Manfred Viehöver und Bernhard Hilgenkamp, die er verschlissen hat, wie er augenzwinkernd sagt, erntete er Anerkennung und Lob.

Und auch bei den Schülern hat er einen Stein im Brett. „Heiner ist ganz anders. Er ist der perfekte Hausmeister“, sagt Schülersprecher Samuel Dalmis. „Heiner hat immer einen guten Spruch auf Lager“, sagt Jan Geiger. „Und hilfsbereit und liebenswert ist er“, wirft Martha Vaal ein. „Einfach persönlich. Schade, dass es den Kiosk nicht mehr gibt“, bedauert Maria Coglan. Heiner war immer zur Stelle, wenn der Schuh mal wieder drückte. Ein im turbulenten Schulalltag verlorener Fahrradschlüssel – Heiner knackte jedes Schloss. Oder der platte Fahrradreifen – Heiner bescherte mit der Luftpumpe eine unbeschwerte Heimfahrt.

Kein Wunder also, dass er von den Schülern eine besondere Verabschiedung bekommt. In allen Klassen konnten die Schüler den Satz „Danke für . . .“ vollenden – 650 Grüße an einen ungewöhnlichen Hausmeister.

SOCIAL BOOKMARKS