Petra Gerster: „Facebook verbreitet Hass“
Bild: Daub
In der Kreissparkasse stellten „Heute Journal“-Frontfrau Petra Gerster und der Publizist Christian Nürnberger ihr Buch „Die Meinungsmaschine – wie Informationen gemacht werden und wem wir noch glauben können“ vor. Unser Bild zeigt sie mit Geschäftsstellenleiter Frank Dreismickenbecker (links) und VHS-Leiter Josef Lieneke (rechts)
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Sie sind sich sicher: „Der Umgang mit den neuen Medien muss noch erlernt werden – und das ist eine Jahrhundertaufgabe!“ Auszüge ihrer gesammelten Erkenntnisse, die das vor knapp einem Jahr erschienene Buch „Die Meinungsmaschine. Wie Informationen gemacht werden und wem wir noch glauben können“ beinhaltet, stellten sie am Dienstagabend vor 150 Zuhörern auf Einladung der Volkshochschule in der Kreissparkasse in Verl vor.

Beide beschrieben die Meinungsmacher des digitalen Zeitalters und verglichen sie mit den etablierten – den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den verbreiteten Printmedien in Deutschland. Letzteren solle man vertrauen. Petra Gerster sah sich auch pro domo gefordert: „Ich empfehle, das ZDF zu gucken und eine gute Tages- oder Wochenzeitung zu lesen.“

„Von der Gutenberg-Galaxis in die Zuckerberg-Galaxis“

Eher spöttisch sprach das Paar über den „Umstieg von der Gutenberg-Galaxis in die Zuckerberg-Galaxis“. Die ganze Welt werde scheinbar „von analog in digital umgepflügt“. Die ältere Generation, zu der sich Christian Nürnberger zählt, stehe nur noch mit einem Bein in der Epoche der seriösen „vierten Gewalt“, deren Medien, zu denen Regionalzeitungen zählten, „im ureigenen Interesse nicht daran interessiert sind, Falsches zu melden“.

„Merkel bestimmt, was die Medien bringen!“ „Und überhaupt: Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen weg!“ So klingt sie, die Kritik, der sich die Medienbranche seit Jahren stellen muss. Aber Gerster und Nürnberger wollten diese nicht so stehen lassen. Ihre Antwort geben sie im gemeinsam geschriebenen Buch „Die Meinungsmaschine“. Das Internet habe das Wissen demokratisiert und damit einen Schub ausgelöst: „Jeder kann Meinungen ins Netz stellen, jeder ist heute sein eigener Programmdirektor.“

Damit hätten sich auch viele „Gesinnungs- und Weltanschauungsgemeinschaften“ gebildet, die lautstark posaunten, sie seien die Mehrheit. Petra Gerster: „Und Herr Zuckerberg verdient daran.“ Der Facebook-Gründer habe eine Schwachstelle in der Psychologie der Menschen für sich profitabel ausgenutzt. Facebook und andere werbefinanzierte Online-Dienste wie etwa Instagram böten Meinungsmachern von der AfD die Chance, bestimmte Wählergruppen radikal zu manipulieren.

„Hohn, Hass und Brutalität“ bei Facebook, Twitter und Google

Wer sich nur von Medienunternehmen wie Facebook, Twitter und Google „füttern“ lasse, brauche sich nicht zu wundern, wenn er mit Fake News abgespeist werde, so Gerster und Nürnberger. Dort würden „Hohn, Hass und Brutalität“ verbreitet, was eine „hohe Chance der medialen Beachtung“ finde. Dies sei etwas ganz anderes als die Aufgabe der seriösen analogen Presse, „nicht das, was gut läuft, sondern das, was schlecht oder gar nicht läuft, in den Vordergrund ihrer Nachrichten-Berichterstattung zu stellen“.

Wofür Petra Gerster Whatsapp nutzt und was Christian Nürnberger beim Konzern Apple als kriminell einordnet, lesen Sie in der „Glocke“ von Donnerstag, 11. Oktober!

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