Raser bleiben außer Betracht
Bild: Steinecke
Am Meierhof hat die Stadt Verl die Geschwindigkeit der Autos gemessen. Im Durchschnitt waren die Fahrzeuge dort mit 34 Kilometern pro Stunde unterwegs. Aber: Ein Teil war deutlich zu schnell.
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Die Mitarbeiterin des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung ist für alle Fragen rund um das Thema Straßenverkehr zuständig. Sie kümmert sich auch darum, wenn Anlieger bei der Stadt beantragen, einmal in einem Wohngebiet konkret zu ermitteln, ob dort gerast wird. Andrea Majhenic führt eine Liste und gibt die Punkte, an denen eines von drei im Jahr 2016 angeschafften Displays aufgebaut werden soll, an den Bauhof weiter. In der Regel wird eine Woche lang an einer Stelle gemessen.

Zum Beispiel am Meierhof: Erlaubt sind dort auf Höhe der Einmündung Kolpingstraße 30 Kilometer pro Stunde. Die Realität sieht aber anders aus: 72 Prozent der Fahrer waren dort zu schnell. Wobei aber auch schon Tempo 31 ausreicht, um in diese Kategorie zu fallen. Andrea Majhenic bewertet deshalb nicht einzelne Geschwindigkeiten, sondern das Gesamtbild.

Und das sah zwischen 19. September und 1. Oktober so aus: Durchschnittlich 839 Fahrzeuge wurden am Meierhof täglich gemessen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 34 Kilometer pro Stunde. Ein Wert, der noch so gerade in Ordnung ist für die Stelle. Dennoch ist Andrea Majhenic tätig geworden. Denn entscheiden ist für sie der V 85-Wert.

Zur Erklärung: Bei einer Geschwindigkeitsmessung fällt eine sehr große Zahl an Messwerten an. Um daraus ein Geschwindigkeitsniveau zu ermitteln, nutzen Verkehrsingenieure die sogenannte 85-Prozent-Geschwindigkeit. Das ist die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der gemessenen Fahrzeuge eingehalten, aber von 15 Prozent überschritten wird. „Man lässt also die sehr schnellen Fahrer außer Betracht und legt die Messlatte dort an, wo der schnellste der 85-Prozent-Mehrheit gemessen wurde“, schreibt die Stadt. So erhalte man eine Kontrollgröße über das Fahrverhalten der moderaten Mehrheit. Gefährlich sei das Verhalten der Verkehrsteilnehmer dann, wenn die 85-Prozent-Geschwindigkeit das vorgegebene Tempolimit um mehr als fünf Kilometer in der Stunde übersteigt.

Und das ist am Meierhof der Fall: 42 Kilometer pro Stunde. Andrea Majhenic hat deshalb auch den Kreis darum gebeten, dort Tempokontrollen durchzuführen und gegebenenfalls Verwarn- oder Bußgelder zu verteilen.

Mit Tempo 148 über die Bergstraße

Die Displays zeigen den Autofahrern direkt an, ob sie zu schnell sind. Andrea Majhenic hofft, dadurch einen Lerneffekt zu erzielen. „Die Leute bemerken gleich, dass sie zu schnell sind“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Und im Idealfall merken sie sich, dass sie langsamer fahren müssten. Spannend ist, ob das auch für die wirklichen Temposünder gilt. Also für die, die nicht mal eben fünf Kilometer pro Stunde schneller sind, als erlaubt.

„Vereinzelte Raser haben wir überall“, sagt Andrea Majhenic. Zum Beispiel auf der Bergstraße in Bornholte: Dort ist ein Fahrer nachmittags mit 148 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Erlaubt ist dort – vor der Grundschule – zu dieser Zeit Tempo 50. Auf der Straße Zum Meierhof war der Spitzenreiter mit 79 Kilometern pro Stunde unterwegs (statt 30). Und vor den beiden Altenheimen an der Paderborner Straße sind 30 Kilometer pro Stunde erlaubt. Einer war mit Tempo 149 unterwegs.

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