Schuldebatte kommt langsam in Gang
Bild: von Stockum
Bleibt alles beim Alten? Gibt es eine Sekundar- oder eine Gesamtschule? Derzeit finden allenfalls Gespräche hinter verschlossenen Türen statt. Eine wirklich rege Diskussion unter Beteiligung der Öffentlichkeit ist noch nicht in Gang gekommen.
Bild: von Stockum

Es werden Eltern befragt und Gutachter bemüht. Auch in Verl kommen langsam erste Debatten in Gang – wenn auch vielfach nicht öffentlich. Dabei beginnt im Februar die Anmeldephase für die weiterführenden Schulen. Die SPD-Fraktion hatte vor wenigen Tagen zu einer Informationsveranstaltung zu dem Thema eingeladen, und auch die Kolpingsfamilie Verl plant einen Abend dazu. Die Verwaltung indes übt sich derzeit in Zurückhaltung.

 Gesamt- oder Sekundarschule? Die Frage, die vielerorts seit Monaten Stadträte spaltet, scheint zunächst am Ölbach noch nicht angekommen zu sein. Die CDU-Fraktion hatte bereits im Sommer dieses Jahres rechtzeitig eine klare Aussage von der Stadt eingefordert. So rechneten die Christdemokraten Anfang September sogar damit, Mitte 2012 möglicherweise vorübergehend vier weiterführende Schulen im Angebot zu haben, ehe man Haupt- und Realschule auslaufen lässt und der Weg in einem zweigliedrigen System mündet.

Das Gymnasium wäre davon nicht betroffen. Es sei denn, man dächte über eine Gesamtschule nach: Dann nämlich bekäme die Oberstufe von Rektor Max Bracht in unmittelbarer Nachbarschaft Konkurrenz.

Es überrascht nicht, dass die Hauptschule die Diskussion nicht vermisst – auch wenn sie geführt werden muss. Die Eingangszahlen der Einrichtung stimmen den stellvertretenden Leiter Norbert Fricke alles andere als glücklich. „Sollte man sich über eine Gesamt- oder Sekundarschule unterhalten, heißt das dennoch nicht, dass die Hauptschule von heute auf morgen stirbt“, sieht der Pädagoge der Entwicklung derzeit noch recht gelassen entgegen. „Grundsätzlich muss ja auch gesagt werden, dass wir recht glücklich mit dem aktuellen System sind.“

Wie die Rahmenbedingungen aussehen und welche Möglichkeiten es gibt, das werden Bürgermeister Paul Hermreck und Dirk Hildebrandt vom Fachbereich Schule in wenigen Tagen bei einem Gespräch mit der Bezirksregierung Detmold in Erfahrung bringen. „Dann soll ein Fahrplan festgelegt werden“, sagte am Dienstag Elke Hänel aus dem Büro des Verwaltungschefs der „Glocke“. Auch die Information der Eltern und ausführliche Beratungen stünden an.

Führt der Weg zur Zweigliedrigkeit? Soll es dann eine Sekundar- oder eine Gesamtschule geben? Belässt man alles beim Alten? Niemand will sich vor dem Hintergrund gewichtiger Entscheidungen unter Druck setzen lassen. „Der Schüler steht an erster Stelle“, sagt Realschul-Rektor Bernhard Hilgenkamp. „Ich habe das Glück, eine gut funktionierende und akzeptierte Schule leiten zu dürfen“, machte er am Dienstag gegenüber der „Glocke“ deutlich. Eine Entscheidung könne nur auf Grundlage intensiver Diskussionen und in Kenntnis der Gesetzgebung getroffen werden. Dabei müssten alle Beteiligten inklusive der Eltern an einen Tisch geholt werden.

Und während hinsichtlich der Form des Schulsystems noch viele Gespräche geführt werden müssen, haben Hilgenkamp und seine Kollegen einen Auftrag bereits verinnerlicht: „Auf uns kommt die Aufgabe zu, Unterricht noch weiter in Richtung Individualisierung und Förderung zu entwickeln.“ Gleichzeitig besteht der Wunsch der Eltern, dass ihr Nachwuchs nicht so früh nach Leistung sortiert wird. „Man wird für Verl und für die Schüler eine sinnvolle Lösung finden“, ist Bernhard Hilgenkamp zuversichtlich. Wie die aussieht, kann derzeit aber noch niemand mit Gewissheit sagen.

SOCIAL BOOKMARKS