„Sie wollen tatsächlich Eltern werden?“
Beste Unterhaltung bot Michael Trischan mit seinem Programm „Windeln, Pickel, Psychiatrie“ am Samstagabend den rund 130 Zuhörern im Verler Gymnasium.

„Sie wollen tatsächlich Eltern werden? Die Zweisamkeit aufgeben? Warum?“, fragt Trischan die 130 Zuschauer. Die meisten kennen den Künstler vor allem aus der ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“. Der Blick ins Publikum verrät, wer wegen des Programmtitels „Windeln, Pickel, Psychiatrie“ und wer an dem Abend nur wegen des beliebten Schauspielers gekommen war. Seit 2007 verkörpert Trischan in der vom MDR produzierten TV-Serie die Rolle des Hans-Peter Brenner.

Gut unterhalten wurden in den folgenden 100 Minuten beide Gruppen. Der Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder ließ genüsslich die Entwicklungs- und Lebensphasen der Filialgeneration am Publikum vorüberziehen. Ja, man kann sogar hin und wieder eine diebische Freude in seinem Mienenspiel entdecken, wenn die erschreckende Erinnerung an kranke, brechende und quengelnde Kinder weckt. Oder an vergebliche Weckversuche pubertierender Teenagerinnen. Oder an die hormonellbedingte geistig eingeschränkte Alltagstauglichkeit des Nachwuchses.

Der Schauspieler erspart es seinem Publikum von eigenen Eltern-Erlebnissen zu berichten. Er überlässt diese Form der humorvollen Vergangenheitsbewältigung lieber den Geschichten von Autoren wie Jan Weiler, Axel Hacke, Lotte Kuhn oder Loriot. Sehr zum Vergnügen des Publikums, das zwischen den Episoden kleine Denkpausen bekam. Kevin Pacholzak am Klavier und Saxophonist Johannes Dau umrahmten nämlich das Programm musikalisch.

Witzig, charmant, ironisch, verzweifelt. Der TV-Schauspieler deckte so ziemlich jede Facette im Zusammenleben mit den lieben Kleinen ab. Das Publikum war begeistert und bekam noch vier Zugaben obendrauf, indem er Kostproben seiner anderen Programme gab. „Die Texte wählt meine Frau aus“, erklärt Michael Trischan in der Pause. Beim fleißigen Autogrammeschreiben entpuppte sich der Serienstar als uneiteler und sympathischer Zeitgenosse. Seine Fangemeinde ist nach seiner Lesung mit Sicherheit noch größer geworden.

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