Spuren der Flucht in Zeichnungen zu sehen

Vor gut zwei Jahren ist Abdulkader Khalil mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. Seit August 2014 lebt der Maler in Verl. Die Zeichnungen sind wie eine lange, fantasiereiche Erzählung aus einem Leben.

Spuren, die Abdulkader Khalil in Bildern verarbeitet. Eine Auswahl seiner Zeichnungen ist jetzt im Verler Rathaus zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 14. April, um 19 Uhr. Dazu sind alle Interessierten willkommen.

In Syrien war das Malen sein Hobby, erzählt Abdulkader Khalil, der in seiner Heimat als Schulinspektor gearbeitet hat. Dann kam der Krieg, und die Familie entschloss sich schweren Herzens zu fliehen. Über die Türkei und Bulgarien kamen der 51-Jährige, seine Frau und die beiden Söhne Wissam (18) und Mohamend (10) schließlich nach mehreren Monaten in Deutschland an.

Seit August 2014 leben sie nun in Verl. „Die Menschen hier sind sehr nett, wir fühlen uns wohl“, sagen sie. Dennoch: Der Neuanfang war und ist noch immer schwer. Während die Söhne bereits gut Deutsch sprechen, fällt es den Eltern nicht so leicht. Jeden Vormittag besuchen sie gemeinsam einen Sprachkursus, doch das Erzählen auf Deutsch ist noch schwierig.

Umso wichtiger ist für Abdulkader Khalil das Zeichnen, um das Erlebte zu verarbeiten, um den Krieg in seiner Heimat Syrien, die Flucht und den Neuanfang in Verl zu schildern. Meist mit dem Kugelschreiber, manchmal auch mit Wasser- oder Acrylfarben lässt er Formen und Figuren entstehen, die so einfach wie kunstvoll und manchmal eng miteinander verwoben sind. Die Zeichnungen sind wie eine lange, fantasiereiche Erzählung aus einem Leben, in dem viel – Gutes und Böses – passiert ist.

Die Ausstellung wird bis zum Herbst im Rathaus zu sehen sein. Die Bilder können zu den allgemeinen Öffnungszeiten betrachtet werden: montags bis mittwochs 8 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr, donnerstags 8 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, freitags 8 bis 12.30 Uhr.
„Vielleicht mehr, als wir erahnen können“, sagt der Kunstkritiker Stefan Skowron, der die Ausstellung kuratiert und bei der Eröffnung auch einführende Worte sprechen wird. Abdulkader Khalils Bilder mögen vielen auf einen ersten Blick hin fremd wirken. Doch wer sich einlässt auf ihre Geschichten, die von vergangenen, zauberhaften Mythen eines fernen Landes inspiriert sind und die doch die grausame Gegenwart nicht aussparen können (und wollen), der wird sich ihnen kaum zu entziehen wissen.

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