Tage des alten DRK-Heims sind gezählt
Foto: Tschackert
Es war seine Idee, das rote Kreuz bei den Benediktinerinnen in Varensell in Auftrag zu geben. Das war vor 41 Jahren. Solange schmückte das Kreuz den Saal im DRK-Zentrum. Jetzt zieht es Ende April ins neue DRK-Heim auf der gegenüberliegenden Straßenseite um.
Foto: Tschackert

Wer wüsste das nicht besser als Josef Freise. Er hat die Verler DRK-Geschichte von der ersten Sekunde an nicht nur mitverfolgt und dokumentiert, sondern auch mitgeprägt. „Ich habe so ziemlich alles gemacht, hatte ziemlich jedes Amt inne, außer dem ersten Vorsitz.“ 

Kirche war nicht angetan

In den vergangenen Wochen ist Josef Freise noch einmal ganz tief in die Vergangenheit des DRK-Ortsverbands vorgedrungen. Aus zwei Gründen: Erstens gibt es das DRK diese Woche seit 60 Jahren in Verl. Und zweitens hat er eine 92-seitige Dokumentation für die Zeitkapsel des neuen DKR-Heims verfasst. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand die bald ehemalige Bleibe der Verler Rotkreuzler. 

Heute steht am Gebäude zwar DRK-Zentrum, gebaut wurde es aber vor allem als Altentagesstätte im Rahmen der Seniorenarbeit. Übrigens fast zeitgleich wie das St.-Anna-Pfarrzentrum. Von kirchlicher Seite war man nicht sonderlich angetan, dass das DRK eine Altentagesstätte bauen wollte, schreibt Freise. „Das galt für beide Konfessionen“ ergänzt der 84-Jährige. DRK und St.-Anna-Gemeinde wollten auf die Gründung zugunsten des jeweils anderen nicht verzichten, also bauten beide eine Altentagesstätte. „Ich kann feststellen: In der Tat ist die Gemeinde Verl wieder um ein Bauwerk, um eine schöne Einrichtung reicher geworden!“ Es war der heutige Ehren- und Alt-Bürgermeister Josef Lakämper im Rahmen der Einweihung des 410 597,08 D-Mark teuren eingeschossigen Flachdach-Gebäudes an der Österwieher Straße, der das sagte. 

Am 31. Januar 1980 wurde das alte DRK-Heim eingeweiht. Seine Geschichte ist eng mit der des Ortsverbandes verbunden.

Am Kreuz scheiden sich die Geister

In wenigen Wochen, so es die Corona-Pandemie zulässt, möchte das Deutsche Rote Kreuz Verl Einweihung, Grundsteinlegung und Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am neuen Standort auf der gegenüberliegenden Straßenseite feiern. „Aber ich bin momentan nicht besonders optimistisch, dass das auch klappen wird“, rechnet Frank Dreismickenbecker eher mit einer Verschiebung der Feierlichkeiten. Möglich, dass dann das alte Gebäude bereits dem Erdboden gleichgemacht worden ist.

Das rote Kreuz, das seit dem ersten Tag im großen Saal hängt, wird auch im neuen DRK-Zuhause einen angemessenen Platz finden. Daran schieden sich 1980 die Geister, erinnert sich Josef Freise noch genau. „Ein Teil der älteren Herrschaften wollte das DRK-Kreuz aus fünf Rechtecken, andere lieber das christliche Kreuz.“ 

Fast schon salomonisch war der Kompromiss Freises. Er ließ das jetzige Kreuz von Benediktinerinnen in Varensell fertigen – ein Kompromiss, mit dem alle bis heute gut leben können. Und das Kreuz ist genauso wenig beim DRK Verl wegzudenken wie Ehrenmitglied, Chronist und Gründungsmitglied Josef Freise. Er war einer von 34 Personen, als am 22. März 1961 in der Gaststätte Rempe der DRK-Ortsverein aus der Taufe gehoben wurde. Und selbstverständlich war er auch mit von der Partie, als der Verein 14 Jahre später eine eigene Behausung fand. 

KHW zeigt schon 2006 Interesse an der Fläche

In seiner Chronik beschreibt Josef Freise, dass die Kommunale Haus und Wohnen (KHW) bereits 2006 gern auf dem Gelände gebaut hätte. Paul Hermreck versuchte dem DRK die alte Bonhoeffer-Schule – heute Zweigstelle des Droste-Hauses – schmackhaft zu machen. Vergeblich. Das Projekt starb. 

Zehn Jahre später war der zweite KHW-Anlauf erfolgreicher, weil die Kommune dem DRK adäquaten Ersatz anbieten konnte. Das erste Gespräch fand am 6. April 2016 statt. Exakt vier Jahre später begannen die Tiefbauarbeiten am 20. April 2020. Nun, nach nur einem Jahr Bauzeit wird der Ortsverband seine neue Behausung an der Österwieher Straße beziehen.

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