Tageweiser Unterricht in kleinen Gruppen
Bild: Tschackert
Bereits vor gut zwei Wochen hat die Gesamtschule Verl den Unterricht im Schulgebäude wieder aufgenommen – allerdings stufenweise. Nur tageweise werden Schüler in kleinen Gruppen in dem Gebäude unterrichtet.
Bild: Tschackert

Schüler kommen einmal wöchentlich zum Unterricht. Soll heißen: Noch viermal Schule, dann sind Ferien.

Mix aus Präsenzunterricht und Distanzlernen

De facto ist jeder Jahrgang insgesamt nur genau diese Anzahl an Tagen in der Schule, aber bis zum Beginn der großen Ferien sind es dann doch noch knapp fünf Wochen hin. Rollierend und in Lerngruppen mit maximal zehn Schülern gestaffelt, findet in der Regel die Stoffvermittlung tageweise und nach Jahrgang aufgeteilt in der Schule statt.

Schule, das ist auch an der Gesamtschule in Verl ein Mix aus Präsenzunterricht und Distanzlernen. „Wir haben uns die Lehrpläne genau angeschaut und den Stoff in den Kernfächern auf das, was notwendig und vorgeschrieben ist, reduziert“, erklärt die Direktorin das Vorgehen. Während des wöchentlichen Unterrichts findet die Vermittlung neuer Inhalte statt, die dann zu Hause gefestigt und vertieft werden sollen.

Früher als andere Schulen hat die Gesamtschule, weil noch keine Abiturprüfungen abgenommen werden müssen, mit dem Unterricht vor zwei Wochen begonnen. Im Durchschnitt unterrichten 55 Lehrer pro Tag die kleinen Lerngruppen. Inhalte sind auf die Jahrgänge abgestimmt, sodass Pädagogen aus den Parallelklassen für Kollegen im Zweifelsfall nahtlos einspringen können. „Das ist ein Vorteil, weil das bei uns ohnehin immer geschieht“, umreißt Heinemann.

Folgen auch noch im kommenden Schuljahr zu spüren

Die Auswirkungen des mehrmonatigen Schulausfalls werden im kommenden Schuljahr weiterhin spürbar sein. „Wir werden Phasen einlegen, wo wir individuell vorgehen müssen, um Stoff aufzuholen.“ Heinemann vergleicht die aktuelle Situation mit einem Schüler, der krankheitsbedingt mehrere Monate fehlte und nun den verpassten Stoff aufarbeiten muss – nur mit dem Unterschied, dass der Patient aus 980 Schülern besteht. Eine Herausforderung, die durch immer wieder neudefinierte Vorgaben aus dem Schulministerium nicht einfacher wird.

Wohlwollend und großzügig, zumindest diese Vorgabe aus dem Schulministerium hat Bestand, soll die Benotung der Schüler vorgenommen werden. „Wir vergeben eine Schuljahresendnote. Das bedeutet, wir haben aus dem ersten Halbjahr und bis zur Schulschließung eine durchaus realistische Grundlage zur Notenvergabe“, so Heinemann. Hinzu kommen die positiven Leistungen während der Schulschließung. Durch Lehrer ermuntert können Schulleistungen zusätzlich – und dort, wo es angezeigt ist – verbessert werden. So gibt es für Schüler also durchaus Chancen, ihre Noten auch jetzt noch zu verbessern. Negative Leistungen während der Schulschließung sollen nicht in die Bewertung einfließen, so die Vorgaben des Schulministeriums.

Nicht jeder Schüler hat uneingeschränkten Zugang zu einem Computer

Noten mit guten Leistungen aufzubessern, aber mit negativen Leistungen während der Krise nicht zu verschlechtern – das sei auch nur fair, findet die Gesamtschulleiterin. Die Lernbedingungen für die knapp 1000 Schüler an ihrer Schule seien sehr unterschiedlich. „Nicht jeder Schüler hat uneingeschränkten Zugang zu einen Computer“, stellt Heinemann klar. Auch diesen Kindern müsse die Schule gerecht werden – zum Beispiel den Kindern in den Flüchtlingsklassen.

Wichtig ist Tanja Heinemann die emotionale Begleitung ihrer Schüler. „Jeder Lehrer hat sich wöchentlich bei den Kindern telefonisch erkundigt, ob es Probleme gegeben habe“, sagt Heinemann.

Diese Telefonate wurden in Listen dokumentiert. Teilweise seien Kollegen sogar zu den Kindern nach Hause gefahren, wenn diese nicht erreicht wurden, um Lernpakete vorbeizubringen. In gedruckter Form konnten Aufgaben auch in der Schule abgeholt werden, wenn ein Download per Internet nicht möglich war.

Dr. Tanja Heinemann selbst ist als Vorgesetzte vor allem als Kommunikatorin gefragt. „Ich finde, das persönliche Gespräch ist wichtig und durch nichts zu ersetzen – egal wie lange es dann dauert.“

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