Verl als Geburtshelfer für Bürgerbus
Foto: Steinecke
„Die Leute steigen auch in den Bus, um einfach zu quatschen“, sagt Lauritz Kanne. Der Mobilitätsmanager der Stadt Verl hatte zum zweiten Mal zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Wenn es gut läuft, könnte es in zwei Jahren in Verl einen Bürgerbus geben.
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Aus dem Arbeitskreis könnte sich später der für den Bürgerbus notwendige Verein gründen. „Wenn es gut läuft, könnte der Bus in zirka zwei Jahren zum ersten Mal rollen“, sagt Bürgermeister Michael Esken. Die Stadt sei jedoch nur „der Geburtshelfer“. Anschließend müsse sich der Verein jedoch um die Organisation kümmern. 

Nicht nur die „üblichen Verdächtigen“

Auf der Veranstaltung seien auch nicht die „üblichen Verdächtigen“ erschienen, die sich ohnehin schon überall ehrenamtlich engagieren, sondern Menschen, die von einer schlechten Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr betroffen sind. Als unterversorgte Gebiete nennt das Stadtoberhaupt Bornholte, Österwiehe, Sende, Kaunitz, Kattenheide und die Pausheide. „Auf einem 90. Geburtstag in Österwiehe hat man mir gesagt, wenn es so einen Bus gibt, dann kommen wir endlich mal wieder in die Stadt“, erzählt Michael Esken. 

Durch den Bürgerbus werden aber nicht nur die Löcher im ÖPNV gestopft. „Man darf auch die soziale Komponente nicht vergessen. Die Leute steigen auch in den Bus, um einfach zu quatschen“, berichtet Lauritz Kanne. Der 29-Jährige arbeitet seit drei Monaten bei der Stadt. Als Ersatz für die Mobilmanagerin Andrea Willebrand. Als Verkehrsplaner war er im Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter tätig. In Höxter hat er bereits Erfahrung mit dem Einsatz eines Bürgerbusses gesammelt. Und mit einem Vorurteil räumt er gleich auf: „Der Bürgerbus ist kein Taxi, das auf Anforderung kommt.“

Der Bürgerbus wird zwar von Ehrenamtlichen betrieben, fährt aber im Linienverkehr und wird an das Fahrplansystem des ÖPNV angegliedert. Das hat den Vorteil, dass die Fahrgäste am Verler Busbahnhof einen Anschluss zum Beispiel an die Busse nach Gütersloh haben. Und in Düsseldorf könne man ein Ticket lösen, mit dem man im letzten Schritt mit dem Bürgerbus in seinen Ortsteil fahren kann. Entsprechend formal ist auch die Einführung. So müssen die Fahrpläne mit dem ÖPNV abgestimmt werden. Und die Haltestellen müssen genehmigt werden. Zudem ist eine Linienbuskonzession durch die Bezirksregierung Detmold notwendig. 

Rollstuhlgerechter Niederflurbus befürwortet

Und ist der Bus bereits bestellt? „Nein“, sagt Michael Esken lachend. Aber Gedanken habe er sich bereits gemacht. Er befürworte einen rollstuhlgerechten Niederflurbus. Der koste um die 100.000 Euro und werde vom Land mit rund 80.000 Euro gefördert. Außerdem schießt das Land jährlich eine Organisationspauschale in Höhe von 7500 Euro zu.

Mit der Vereinsgründung allein ist es nicht getan. Es müssen auch noch die Busfahrer gefunden werden. „Pro Bus benötigt man 25 bis 30 Fahrer“, rechnet der Mobilitätskoordinator der Stadt Verl, Lauritz Kanne, vor. Schließlich müsse man die Urlaubswünsche der ehrenamtlichen Fahrer mit einbeziehen. Außerdem falle auch immer mal wieder jemand wegen Krankheit aus. Und jeden Tag auf dem Bock sitzen, das wolle auch niemand. 

Es soll zunächst einmal mit einem Bus gestartet werden. Mehr sei selbstverständlich immer möglich, sagt Bürgermeister Michael Esken. Er will zunächst einmal abwarten, wie das Angebot angenommen wird. 

Und wer darf den Bürgerbus fahren? Im Prinzip jeder, der mindestens 21 Jahre alt ist, im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis der Klasse B ist und mindestens zwei Jahre Fahrpraxis besitzt. Außerdem muss ein Gesundheitszeugnis vorgewiesen werden und der kleine Personenbeförderungsschein gemacht werden. Die Kosten dafür trägt die Stadt. 

Interessenten, die sich im Verein für den Bürgerbus engagieren oder den Bus fahren möchten, können sich an den Mobilitätsmanager Lauritz Kanne wenden. Er ist erreichbar per E-Mail an lauritz.kanne@verl.de oder unter 05246/961221.

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