Verlady und Liedertafel können auch Pop
Bild: Tschackert
Ein gelungenes Popkonzert haben die beiden Chöre MGV Liedertafel Verl und Verlady am Sonntag im voll besetzten Pädagogischen Zentrum gestaltet.
Bild: Tschackert

Ein kurzweiliges Vergnügen vor voll besetzter Kulisse im Pädagogischen Zentrum. „Thank You for the Music“ war das Popkonzert betitelt. Einfach war der Weg, das gewohnte klassische Liedgut gegen Popsongs zu tauschen, für die beiden Verler Chöre nicht, erklärte Martin Jennen, zweiter Vorsitzender des Männergesangvereins, zu Beginn dem Publikum: „Mut brauchten wir.“ Vor allem die jüngeren Mitglieder hätten mal ein reines Popkonzert singen wollen. „Sechzehntel-Noten, Synkopen, Tempowechsel – kriegen wir das überhaupt noch hin?“, benannte Jennen die Zweifel bei manchem Sänger. Die Antwort lautet nach diesem Konzert: Ja! Verlady und Liedertafel können auch Pop- und Rockmusik aufführungsreif darbieten.

Bei einem Stück wie „Waterloo“ von Abba kann ein Frauenchor zwar nicht ganz mit der Studioversion, die jeder automatisch im Kopf hat, mithalten. Aber diese Herausforderung meisterten beide Chöre ebenso wie die Herbert-Grönemeyer-Ballade „Der Weg“. Sie ist untrennbar mit dem charismatischen Nuschel-Rezitativ des Bochumers verbunden und schon allein deswegen so anspruchsvoll im wahrsten Sinne des Wortes zu singen (!). Dank intensiver Vorbereitung mit ihren musikalischen Leitern Gregor Stachowiak (Verlady) und Erika Brause (Liedertafel) und nicht zuletzt dank Larissa Heidebrecht am Klavier gelangen die Stücke bravourös. Der Pianistin gebührt ein besonderes Lob – den ausgeleierten Konzertflügel ohne Wackler und Hackler fehlerlos zu bedienen, ist eine Meisterleistung für sich.

Bei Kompositionen aus Deutschland voll in ihrem Element

Beatles-Titel in neuem Arrangement mit Streichern, aber ohne Gitarren präsentierten als Gäste Pedestrian Crosswalks aus Bielefeld.
So richtig in ihrem Element waren die beiden Sangesgemeinschaften, wenn das Tempo gemäßigter war und die Kompositionen aus Deutschland kamen. Bei „Lass die Sonne in dein Herz“ von Wind oder dem jiddischen 30er-Jahre-Swing-Klassiker „Bei mir bistu shein“ merkte man den Sängerinnen und Sängern an, dass sie sich pudelwohl fühlten.

Meisterlich bewältigten die beiden Sangesgemeinschaften auch Lieder wie „Es geht mir gut“ (Westernhagen), „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ von Nena oder ins Deutsche übersetzte Pop-Hymnen wie Elton Johns „Der ewige Kreis“ oder Phil Collins „Dir gehört mein Herz“.

Beatles mit Streichern

Englische Titel von den Beatles überließen die Chöre ohnehin den Pedestrian Crosswalks aus Bielefeld. Das neunköpfige Ensemble ist darauf spezialisiert, Beatles-Songs in neuem Arrangement mit Streichern, aber ohne Gitarren aufzuführen. Lieder wie „Eleanor Rigby“, „Fool on the hill“ und „Come together“ hatten sie bei ihren beiden kurzen Gastauftritten im Repertoire. Es ist eine schöne, traditionsreiche und von Uneitelkeit geprägte Geste der beiden Verler Chöre, auch Dritten einmal die Bühne zu überlassen.

Die ist immer dann gerammelt voll, wenn Verlady und Liedertafel gemeinsam auftreten. Und das Konzert endete so, wie es begonnen hatte – mit einem Abba-Titel. „Thank You for the Music“ hieß der kraftvoll präsentierte Rausschmeißer am Ende eines unterhaltsamen und gelungenen Popkonzerts.

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Beatles-Titel in neuem Arrangement mit Streichern, aber ohne Gitarren präsentierten als Gäste Pedestrian Crosswalks aus Bielefeld.