Verler DRK-Heim nimmt Form an
Foto: Steinecke
Über den fast fertigen Rohbau freuen sich (v.l.) DRK-Chef Frank Dreismickenbecker, Michael Schöppner, Ehrenvorsitzender Josef Freise, Matthias Joachim, der Erste Beigeordnete Heribert Schönauer sowie die Architekten Claudia Röhrs und Kai Beckmann.
Foto: Steinecke

Eng ist es am aktuellen Standort, der sich auf der anderen Straßenseite befindet. Wenn dort ein Einsatzfahrzeug in der Garage geparkt werden soll, muss einer der Außenspiegel eingeklappt werden. Künftig kann angesichts der großen Öffnungen für die Tore darauf verzichtet werden, und auch drinnen ist mit 108 Quadratmetern deutlich mehr Raum. Michael Schöppner begleitet den Bau mit vier weiteren DRK-Mitgliedern. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Fachleuten verschiedener Bereiche zusammen. Die Pläne werden mit dem Architekten Kai Beckmann und Matthias Joachim von der Stadt Verl abgesprochen. „Was hier entsteht, ist ja so etwas wie eine kleine Rettungswache“, erklärt Michael Schöppner.

Krisensituation kann schnell entstehen

Im Bedarfsfall unterstützt das DRK die Feuerwehr oder stellt einen Rettungswagen. Aus diesem Grund funktioniert das Gebäude auch autark, ohne die Versorgung mit Strom oder Gas. Die große Feldküche verfügt über einen eigenen Gastank. So können bis zu 1000 Personen mit warmem Essen versorgt werden. Für eine kleinere Zahl kann drinnen in die Küchenzeile ein mobiler Gasherd eingeschoben werden. Und falls es keinen Strom gibt, steht ein Notstromaggregat zur Verfügung. „Wie schnell eine Krisensituation entstehen sein kann, hat man ja jetzt gesehen“, sagt der Erste Beigeordnete Heribert Schönauer.

Der Bauzeitenplan sieht vor, dass die Arbeiten im Juni abgeschlossen sind. „Im Moment sieht es so aus, dass wir im April fertig werden“, sagt Kai Beckmann. Dem Verler DRK wäre es am liebsten, wenn das Gebäude im bereits März einzugsbereit wäre. Am 21. März wird der Ortsverein nämlich 60 Jahre alt. „Dann könnten wir alles in einem Aufguss feiern“, sagt DRK-Leiter Frank Dreismickenbecker. In diesem Fall den runden Geburtstag zusammen mit einem Tag der offenen Tür. Und da coronabedingt keine Grundsteinlegung und kein Richtfest stattfinden konnten, sollen diese Ereignisse gleich mit gefeiert werden

Container ziehen mit um

Und die gute Nachricht vorweg: Das kleine Pättchen durch das Wäldchen ist zwar gerade gesperrt, wird nach der Fertigstellung aber wieder für den Fuß- und Radverkehr freigegeben. Und wenn das DRK umzieht, dann ziehen auch die Sammelbehälter für Altkleider mit. Sie stehen dann auf dem neuen Parkplatz. Der ist mit einer Schranke abgesperrt. Die öffnet sich bei der Einfahrt zwar automatisch, nicht aber beim Verlassen des Platzes. Der DRK-Vorsitzende möchte lange Wege für die Nutzer vermeiden. „Wir wollen noch mit der Stadt reden, ob die Container an dem neuen Wertstoffhof stehen können“, sagt er.

Rund 1,6 Millionen Euro investiert die Stadt als Bauherrin in den Neubau an der Österwieher Straße. Nach der Fertigstellung zieht das DRK dort ein.

Wohneinrichtung am alten Standort

Der bisherige Standort wird aufgegeben. An der Stelle soll eine Wohneinrichtung mit 26 Appartements für junge Menschen mit Behinderung entstehen. Träger wird der Wertkreis sein. „Das ist etwas, das in Verl noch gefehlt hat. Die Einrichtung könnte vielleicht in zwei Jahren fertiggestellt sein“, sagt der Erste Beigeordnete Heribert Schönauer.

Das Gebäude am alten Standort hat das DRK auf eigene Kosten erstellt. Auf einem 99-Jahre-Erbpachtgrundstück der Stadt. In Betrieb genommen wurde es 1980. Ihr neues Heim nutzen die Rotkreuzler kostenlos. Sie kommen lediglich für die Betriebskosten auf. Und das für 30 Jahre. Danach können sie für weitere fünf Jahre verlängern. Vier Mal ist das möglich. Nach maximal 50 Jahren läuft die Vereinbarung aus. Im Gegenzug übernimmt die Stadt das alte Gebäude kostenlos.

Erste Gespräche 2006

Der DRK-Ehrenvorsitzende Josef Freise erinnert sich, dass bereits 2006 erste Überlegungen angestellt wurden, das Vereinsheim aus der Ortsmitte zu verlagern. Damals war als Alternative der Standort in der Bonhoeffer-Schule angedacht. Und auch die Entscheidung, auf die andere Straßenseite umzuziehen, wurde reiflich überlegt. Herbert Schönauer hat dafür Verständnis: „An so einem Gebäude hängen ja auch viele Erinnerungen“.

Für das DRK waren es wirtschaftliche Überlegungen, zu den genannten Konditionen zu wechseln. Ein Neubau mit eigenen Mitteln wäre nicht in Frage gekommen. „So eine Kalkulation ist schwierig. Unsere Mitgliederbasis wird zukünftig wahrscheinlich leicht erodieren“, sagt der DRK-Chef Frank Dreismickenbecker. Momentan zählt der Ortsverein 765 Fördermitglieder. „Wir waren schon einmal 1000“, so Dreismickenbecker. Hinzu kommen rund 30 aktive Mitglieder.

Einblicke für die Außenwelt

Der Rohbau ist so gut wie fertiggestellt. Auf dem Dach fehlt noch die Eindeckung. Gut zu erkennen ist in dem 96 Quadratmeter großen und unterteilbaren Schulungs- und Versammlungsraum die verglaste Front zur Österwieher Straße hin. Laut Architekt Kai Beckmann stecke ein kommunikativer Gedanke dahinter. So erhalte auch die Außenwelt Einblicke, was beim DRK geschieht. Das Flachdach der Fahrzeughalle soll begrünt werden. Beckmann erklärt, dass mit dem Wäldchen schonend umgegangen wurde und nur fünf größere Bäume gefällt wurden.

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