Vor allem der Verkehr ist ein Problem
Gut besucht war die Bürgerversammlung im Haus Henkenjohann am Mittwochabend. Michael Esken (rechts) moderierte.

Das Interesse der Anwohner ist groß. Das ist ein Schluss, den man aus der Bürgerversammlung ziehen kann. Mehr als 100 Anwohner waren in das Haus Henkenjohann gekommen. Um zu hören, was die Verwaltung plant, um anzusprechen, wo der Schuh drückt. Und da gibt es einige Stellen in dieser vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten Streusiedlung, die mit der Zeit immer weiter verdichtet wurde, der aber ein zentraler Kern fehlt.

Die Stadt nimmt ein Areal in den Fokus, das zu einem großen Teil Gewerbe- und Industriefläche ist. 44 Prozent der Verler Grundstücke für Firmen liegen dort an den Metallstraßen. Wäre Verl-West eigenständig, es würde im Geld schwimmen. Ein nicht unerheblicher Teil der Gewerbesteuern, die die Kommune einnimmt, wird dort erwirtschaftet. Aber dort leben auch Menschen. Die Abstände zwischen Häusern und Fabrikhallen sind in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner geworden.

Was in der Bürgerversammlung bemängelt wurde: der Verkehr. Es fehle an einer vernünftigen Zuwegung ins Industriegebiet. 40-Tonner würden über den Westfalenweg und die Eiserstraße fahren, also durch Tempo-30-Zonen. Das dürfen sie eigentlich nicht. Es passiert aber doch täglich. Hinzu kommen die Menschen, die dort arbeiten. Und das sind mittlerweile viele. In einigen Werken wie zum Beispiel bei Beckhoff-Tochter Smyczek an der Eiserstraße laufen die Maschinen rund um die Uhr. Die Mitarbeiter müssen durch das Wohngebiet, wenn sie zu ihrem Arbeitsplatz wollen. Auch gebe es im Gewerbegebiet Parkplatzprobleme, kritisieren einige. Gleiches gelte auch für die Wohngebiete.

1,5 Stellplätze fordert die Verwaltung pro Wohnung. Viele haben aber zwei Autos. Da wird es eng auf der Straße. „Wer ein Haus baut, muss es so planen, dass man Parkmöglichkeiten auf dem Grundstück hat“, sagt Michael Esken und erhält dafür Applaus.

Und sonst? Eine Einkaufsmöglichkeit (im besten Fall ein Supermarkt) wird vermisst. Es gibt den Fleischer am Westfalenweg und eine Pizzeria, aber keinen Bäcker direkt im Kern der Siedlung. Der nächste ist an der Gütersloher Straße. Und wer einkaufen will, der muss mindestens bis zum Lidl am Westring.

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es – vom Schulbus abgesehen – derzeit nicht in der Siedlung im Westen, in der im Vergleich zum Verler Durchschnitt wenig Kinder und Rentner leben, dafür aber viele im Alter zwischen 45 und 65 Jahren. Eine Mitfahrbank, wie es sie in Rheda-Wiedenbrück schon gibt, wird ins Gespräch gebracht. Bürgermeister Michael Esken verweist auf die Pläne zur Verbesserung des Nahverkehrs. Ein Bürgerbus könnte eventuell auch Verl-West ansteuern.

So weit, so gut. Und wie geht es weiter mit der Siedlung? Eine Ausweitung der Wohngebiete wird bevorzugt. Eine Erweiterung der Gewerbeflächen eher nicht. Klar ist: Verl-West wird nicht an den Stadtkern heranwachsen. Dazwischen liegt ein Grünzug, der erhalten bleiben muss. „Wir bleiben eigenständig“, sagt Ulrich Pollmüller, CDU-Politiker, der den Wahlkreis Verl-West bei der Kommunalwahl 2014 gewonnen hatte.

Und dennoch wird der Ortsteil in den nächsten Jahren wachsen. Im Bereich Jost- und Strothweg entsteht ein kleines Neubaugebiet. Darüber hinaus gibt es derzeit aber keine konkreten Pläne, um den Ortsteil weiter zu entwickeln. Schließlich haben die Verwaltung und das Planungsbüro BKR aus Aachen gerade erst begonnen, sich Gedanken über den Stadtteil zu machen.

Ach so: Bei aller Kritik – die Menschen leben gern im Verler Westen. Eine junge Frau schätzt die Ruhe. Und das sie direkt im Grünen ist. Auch die Anbindung nach Gütersloh sei gut. Welche weiteren Schritte sind nach der Bürgerversammlung geplant? Das Büro BKR arbeitet weiter an einem Plan für die Siedlung. Die Anregungen der Anlieger sollen berücksichtigt werden.

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