Wasser bleibt im Winter im Becken
Bild: Steinecke
Wider den Kalk: Carina Brummelte, Fachangestellte für Bäderbetriebe, schraubt die Köpfe von den Außenduschen ab. Nach der Entkalkung sind sie wieder fit für eine erfrischende Brause, bevor es in der neuen Badesaison erneut ins nasse Vergnügen geht.
Bild: Steinecke

„Das dauert so anderthalb bis zwei Wochen. Bis Ende des Monats wollen wir damit fertig sein“, sagt Frank Wichmann-Glaser, Meister für Bäderbetriebe, der seit 2001 im Verler Freibad arbeitet.

Um das Bad durch den Winter zu bringen, reicht es nicht, nur das Wasser aus den Rohren zu lassen. Dafür müssen Frank Wichmann-Glaser, Björn Jann, Carina Brummelte, Jörg Hanfland und Verena Bitter tief in die Katakomben steigen.

Dort wartet die für die Badegäste nicht sichtbare Technik auf ihre spezielle Behandlung. So müssen die sechs Umwälzpumpen gereinigt werden. Wenn die unter Volllast laufen, pumpen sie die vier Millionen Liter Wasser, die sich in den Becken befinden, innerhalb von vier Stunden einmal komplett um. Vier mannshohe mit Aktivkohle und Sand befüllte Filterbehälter sorgen dafür, dass Verunreinigungen dem Wasser entzogen werden. „Hinter dem Filter haben wir Trinkwasserqualität“, erklärt Frank Wichmann-Glaser. Dem gefilterten Wasser wird dann wieder Chlor zugesetzt. 0,3 bis 0,6 Milligramm pro Liter dürfen es sein. Für die Wasserqualität arbeiten die Filter rund um die Uhr.

Ohne die Zufuhr von frischem Wasser funktioniert das Bad aber nicht. Pro Badegast und Tag müssen 30 Liter Trinkwasser zugeführt werden. Jetzt werden die Filter für eine Grundreinigung gespült, damit sie zum März, wenn die Vorbereitungen für die neue Saison starten, wieder einsatzbereit sind. Draußen muss aus allen Rohren wie von der Absorber- oder der Rasenbewässerungsanlage das Wasser abgelassen werden. Duschköpfe werden zum Entkalken demontiert, Spielgeräte gereinigt und die Roste der Überlaufrinne gesäubert.

Die Bretter vom Sprungturm müssen demontiert werden. Sitzbänke und Tische werden im Gebäude eingelagert. Ebenso das gelbe Sonnensegel über dem Kinderbecken. Auf dem Beckenrand werden Styroporplatten ausgelegt und mit Sandsäcken beschwert. Das Styropor dient zum Schutz vor Frostschäden. Trotzdem platzen immer wieder Fliesen ab. Dafür gibt im Keller ein Ersatzlager.

Für den Winter wird der Wasserspiegel um 40 Zentimeter abgesenkt. Anschließend werden die Rohre der Enteisungsanlage verlegt. Die sollen bei starkem Frost eine geschlossene Eisdecke verhindern. Die Rohre liegen oberhalb des Wassers an einer Kopf- und einer Längsseite des Beckens. Wärmeres Wasser vom Beckengrund wird durch kleine Bohrungen in den Rohren gepumpt. Dadurch wird eine Eisbildung im Randbereich verhindert. Eine geschlossene Eisdecke würde hohen Druck verursachen, durch den es am Beckenkopf zu Beschädigungen käme.

Komplett wird das Wasser nur im Frühjahr abgelassen, um das Becken zu reinigen. Damit die Verschmutzung nicht zu hoch ist, wird statt Chlor ein Winterkonzentrat zugegeben. Das vermindert die Algenbildung. 2000 Quadratmeter Oberfläche hat das Verler Freibad. Das bedeutet große Wärmeverluste in kühlen Nächten. „Energie ist das Teuerste an einem Bad“, erklärt Wichmann-Glaser. Der Gasbrenner im Keller soll deshalb nächstes Jahr überflüssig sein. Außer aus dem eigenen Blockheizkraftwerk und der Solaranlage kommt zusätzliche Energie vom Heizkraftwerk am Friedhofsweg und vom neuen Biomassekraftwerk nebenan.

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