Zweckbau – oder doch etwas mehr?
Sehr schick, aber auch nicht billig: der Entwurf von 4a Architekten. Das Stuttgarter Büro hat im März den Wettbewerb zum Neu- und Umbau der Gesamtschule und zur Errichtung des Hallenbads gewonnen. Klar ist: Für 29 Millionen Euro wird das nicht umzusetzen zu sein. Im Bild zu sehen ist links der Entwurf für den Gesamtschulanbau und rechts das geplante Hallenbad.

Denn die Suche nach einem Architekturbüro, das den Auftrag übernehmen will, nimmt eine neue Wendung. 4a Architekten aus Stuttgart, im März zum Sieger des Architektenwettbewerbs gekürt, hat ebenso seinen Rückzug aus dem weiteren Verfahren verkündet wie das Büro Schlattmeier aus Herford, im März mit Platz drei ausgezeichnet. Zusätzlich hatte sich schon vor Monaten das Büro verabschiedet, das Platz zwei belegt hatte.

Und nun? Fängt die Stadt dennoch nicht wieder bei Null an. „Wir haben aus dem Wettbewerb wichtige Erkenntnisse gezogen“, sagt Thorsten Herbst. Der technische Beigeordnete informierte am Montag gemeinsam mit Bürgermeister Michael Esken und dem Ersten Beigeordneten Heribert Schönauer über das weitere Vorgehen. Der Auftrag soll nun noch einmal ausgeschrieben werden.

Vereinfacht ausgedrückt gibt es dieses Problem: Die Stadt hatte bei der Auslobung des Wettbewerbs einen maximalen Baupreis von 29 Millionen Euro festgeschrieben. Nach dem Rückzug der beiden verbliebenen Büros ist der Wettbewerb Geschichte und damit die Kostenobergrenze. Aber: „Man kann für 29 Millionen Euro bauen“, sagt Michael Esken. Dann aber gibt es einen Zweckbau. „Das ist kein Schuhkarton, sondern ein ganz normaler Bau“, sagt Thorsten Herbst.

Die Frage ist nun: Will die Politik das an dieser prominenten Stelle in Verl? Wettbewerbssieger 4a Architekten aus Stuttgart hatte einen sehr repräsentativen Baukörper vorgeschlagen. Das geht für 29 Millionen Euro nicht. Schlattmeier hatte einen Erhalt der alten Realschulaula sowie eine Aufwertung des Pädagogischen Zentrums angeregt. Auch dort gilt: Das funktioniert nur, wenn die Stadt mehr Geld in die Hand nimmt.

Trotz des Rückzugs sind die Büros 4a Architekten (Stuttgart) und Schlattmeier (Herford) weiter im Rennen. Denn die Verwaltung will beide auffordern, sich an der neuen Ausschreibung zu beteiligen. Das heißt: Theoretisch könnten die Entwürfe noch umgesetzt werden – wenn die Stadt halt mehr Geld in die Hand nimmt. Für beide Entwürfe hatte ein Projektsteuer ermittelt, wie teuer eine Umsetzung käme.

Genaue Zahlen verrät Michael Esken nicht. Nur so viel: „Sie waren deutlich über den 29 Millionen Euro.“ Auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, was man sich zusätzlich leisten will, spielt auch das Thema Schützenhalle eine Rolle. Bis Mitte Januar will Michael Esken Klarheit haben, ob gemeinsam mit der Gilde neu gebaut werden kann. Klappt das nicht, dürfte der Erhalt der ehemaligen Realschulaula wahrscheinlicher werden. Und dann würde auch das Pädagogische Zentrum noch einmal ein Stück wichtiger.

Und dann ist da ja noch das pädagogische Konzept, das die Stadt zusammen mit der Gesamtschule ausgearbeitet hatte. „Das ist die wichtige Grundlage“, sagt Heribert Schönauer. Also die Pflicht, während das erweiterte Pädagogische Zentrum (inklusive neuer Technik und Lüftung), die Aula sowie ein Eingangsbereich mit hohen Decken, viel Glas und einigen Spielereien eher die Kür sind. In den nächsten Monaten werden die Politiker entscheiden müssen, wie viel ihnen welche Dinge wert sind.

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