Beschwerden über rüpelhafte Fahrer

Anlass waren schwere Verkehrsunfälle, die sechs Tote allein in den ersten Wochen dieses Jahres gefordert hatten. Gestern konnten Bürger aus dem Kreis Warendorf ihrer Polizei für eine Stunde unter anderem zu den Schockbildern ihre Meinung sagen. Polizeidirektor Erich Nierhoff (Abteilungsleiter und ranghöchster Polizist im Kreis) und Polizeirat Stefan Mühlbauer (Leiter der Direktion Verkehr) führten die Gespräche persönlich. Insgesamt 14 Anrufer, vorwiegend aus Beckum, aber auch aus Warendorf und Telgte nutzten die Gelegenheit. Einer davon äußerte sich zu den Schockbildern – und zwar positiv. Die überwiegende Mehrheit beschwerte sich über rüpelhafte Verkehrsteilnehmer. Auch konkrete Gefährdungen wurden gemeldet. So berichtete eine Anruferin, dass sie gerade von einem anderen Autofahrer überholt worden sei, obwohl sie just links abbiegen wollte.

„Jeder will der Schnellste sein“

„Jeder will der Schnellste sein. Da werden Verkehrsregeln zum Teil sehr kreativ ausgelegt“, sagte Stefan Mühlbauer. Vor allem kamen gestern Beschwerden über Raser in Tempo-30-Zonen. Viele Anrufer würden es begrüßen, wenn die Polizei häufiger in Zivil und verdeckt ohne vorherige Ankündigung überwachen würde. „Das hat mich jetzt wirklich überrascht“, sagte Erich Nierhoff. Häufig thematisiert wurde auch die neue Verkehrsführung im Beckumer Pulort. „Wir werden uns natürlich ein Bild von den genannten Situationen machen. Die Bürgeranliegen nehmen wir ernst“, sagte Mühlbauer. Bei den Schockbildern und den kürzlich durchgeführten Blitzmarathonen soll es nicht bleiben. Wer in der nächsten Zeit Post von der Kreispolizeibehörde beziehungsweise vom Straßenverkehrsamt bekommt, wird darin auch eine Karte mit den Unfallbildern, die im Kreis Warendorf entstanden sind, finden. Ebenso werden seit gestern in Behörden, Polizeidienststellen, Berufskollegs und Tankstellen rund 100 Plakate mit den besagten Fotos ausgehängt. Auch die Radfahrer sollen verschärft in den Blick genommen werden, da bei ihnen mittlerweile Trunkenheit oder Drogenkonsum bei Unfällen immer häufiger eine Rolle spielten.

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