Bienenvolk muss Kirchturm verlassen
Mit einem Handfeger kehrt Imkerin Monika Buddenkotte einen Teil der Bienen in die Transportbox.

Viel zu lange haben sie ausharren müssen, die Bienen, um endlich ausschwärmen und ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Und dann so was: Der Königin kommt es plötzlich in den Sinn, sich anderswo eine Bleibe zu suchen, lässt sich an der sonnengewärmten Wand des Turms der ehemaligen Marienkirche nieder und macht ein ganzes Volk kirre. Zehntausende Anhänger der Majestät sind in heller Aufregung, weil führungslos, und versetzen Passanten sowie Anwohner ins Staunen.

Geht das einzig geschlechtsreife Weibchen im Volk der Honigbienen stiften, steht die gesamte Zukunftsplanung auf der Kippe – kein Wunder, dass sich infolgedessen jüngst ein einzigartiges Spektakel in der Innenstadt bot. Etwa 30.000 Tiere schwärzten die Luft und erfüllten sie mit einem beeindruckendem Surren. Kaum war die Königin eingeholt, beruhigte sich das Volk – um sich in seiner Gesamtheit auf ihr niederzulassen. Hätte es nicht Anwohner gegeben, die das Ordnungsamt verständigten, die Bienen steckten wohlmöglich noch heute in einer Sackgasse. Die Königin unter ihnen begraben und die bisherige Unterkunft in scheinbar unerreichbarer Nähe.

Ordnungsamt-Mitarbeiter Tim Sawukaytis wusste Rat, musst die Behörde doch erst in jüngerer Vergangenheit bei einer nicht genehmigten Versammlung der fleißigen Tierchen an der Volkshochschule einschreiten. Er informierte Imkerin Monika Buddenkotte, die das Volk unter den wachsamen Augen einer stetig wachsende Zuschauerzahl auf die Heimreise vorbereitete.

Wobei Heimreise nicht das richtige Wort ist. Bei entflogenen Bienenvölkern verhält es sich wie mit Strandgut: Wer es findet, darf es behalten. Vorausgesetzt, der Besitzer hat nicht direkt nach der Flucht die Verfolgung aufgenommen und kann seinen Anspruch an Ort und Stelle geltend machen, wird es zur „Aneignung durch Dritte“ frei. Geregelt ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Im jüngsten Fall ist es also unerheblich, wo die Tiere ursprünglich beheimatet waren – sie haben ihr neues Zuhause nun in Vohren gefunden. „Ich werde mich gut um sie kümmern“, versprach Monika Buddenkotte mit einem Augenzwinkern den etlichen Zuschauern, ehe sie sich daran machte, die Meute in ihre Transportverpackung zu lotsen.

Sitzt die Königin in der Kiste, zieht des Rest nach. Ob ihres einzigartigen Geruchs fällt es ihrem Volk leicht, sich zu orientieren. Und bei der ganzen Aufregung findet es nicht einmal Zeit, den einen oder anderen Beobachter zu stechen.

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