„Das Leben ist kein Actionfilm“
Bild: Geiser
Die Freude an der Autorenlesung mit Tilman Rammstedt auf Haus Nottbeck währte gerade einmal 50 Minuten.
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 Das Leben ist kein Actionfilm und der Hollywoodstar wohl ein paar Nummern zu groß, um in die Rolle eines Antihelden zu schlüpfen, der bei einem Banküberfall scheitert. Dem Bachmannpreisträger Tilman Rammstedt ist mit „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ ein veritabler Wurf gelungen. Am Mittwochabend waren zahlreiche Literaturfreunde nach Stromberg gekommen, um im Kulturgut Haus Nottbeck den Erfolgsautor lesen zu hören. Das vierte Buch des gebürtigen Bielefelders weist ein ganzes Konglomerat derzeit populärer Literaturprinzipien auf, was geübte Rezipienten erfordert. Briefroman, direkte Ansprache von Popkultur-Ikonen und vor allem die Metafiktion, also die Thematisierung von Erdachtem, bereiten ein nicht immer leichtes Terrain. Wird dann noch der Name des realen Autors als Name einer der Romanfiguren verwendet und die Roman-in-Roman-Tektonik mit zwei alternierenden Erzählsträngen versehen, kann man schon mal den Überblick verlieren.

Melancholischer Bankberater

Dennoch bleibt es stets vergnüglich, Rammstedts melancholischen Bankberater auf seinem abenteuerlichen Weg bis zu seinem Überfall auf die eigene Bank zu begleiten. Ab da springt Bruce Willis ein, dem Rammstedt den Fortgang der Handlung mailt, inklusive Kugelhagel, Schussverletzung und einer geradezu grotesken Flucht mit Fahrrad und Ruderboot. Doch die schlappe Beute von 6100 Euro will nicht so recht zum Image des Superhelden passen und überhaupt scheint der tolle Herr Willis fehlbesetzt zu sein; sogar ein toter Hund ist in der Lage, den Recken in den Schatten zu stellen. Später offenbart sich die Omnipotenz des Schriftstellers, eine Welt erschaffen zu können, besonders augenscheinlich: Uma Thurman ist letztlich diejenige, die Rammstedt antwortet und sich auf die Zusammenarbeit mit ihm freut. Die Freude an der Autorenlesung währte gerade einmal 50 Minuten, wobei der subtilere Humor in den Aperçus steckte, die den skurrilen Charakter des Bankers beleuchten. Etwas mehr davon, und der im Vorfeld versprochene Unterhaltungs-Mehrwert einer Lesung mit Tilman Rammstedt hätte sich allen Selbstlesern mühelos erschlossen. (Rudolf Geiser)

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