Diabetiker-Lotsin bundesweit im Einsatz
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Ein Mädchen, das an Diabetes Typ 1 erkrankt ist, bekommt von ihrer Mutter mit einem Pen das notwendige Insulin gespritzt. Die Zuckerkrankheit trifft nicht nur Alte und Dicke. Immer mehr Kinder erkranken an Typ 1-Diabetes.
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„Man wird in der Schule oft gehänselt und als Junkie verspottet“, weiß die 57-Jährige aus Gesprächen. Es gäbe Facebook-Gruppen, die sich nur mit dieser traurigen Thematik befassten. „Ich kenne eine junge Frau, die blind ist. Sie hat auch Diabetes und konnte den Spott irgendwann nicht mehr ertragen. Sie hat aufgehört sich in der Schule Insulin zu spritzen, damit ihre Gesundheit ruiniert und ist erblindet“, erzählt John, die selbst zuckerkrank ist, mittlerweile damit gut leben kann und anderen helfen will.

Sie hat daher an einem Weiterbildungsprojekt teilgenommen und ist nun Lotsin für Diabetiker, spezialisiert auf Familien. Sie ist die erste im Kreis Warendorf und will ab sofort regelmäßig Sprechstunden anbieten. Doch die Dolbergerin ist bundesweit im Einsatz. Bis vor kurzem betreute sie eine Familie aus Fulda, deren Sohn Diabetes Typ 1 hat. „Ich habe ihnen bei den Behördengängen geholfen und eine Integrationskraft besorgt“, erzählt John zufrieden.

„Jeder Körper ist anders“

Sie selbst wusste lange nicht, dass der Zuckerhaushalt ihres Körper aus dem Gleichgewicht geraten war. 2002 erkrankte sie an der Schilddrüse, musste operiert werden, bekam Cortison gespritzt. Zwei Jahre später verursachte sie einen schwerer Autounfall. „Ich bin überzuckert in den Gegenverkehr gerast, hätte mich und andere fast umgebracht“, schildert sie.

Erst jetzt wird herausgefunden: Gudrun John hat Diabetes. Ihre Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin mehr produzieren, sie muss es sich ab sofort spritzen. „Das ist ein Prozess, den man lernen muss“, sagt sie. Oder besser: testen muss. „Jeder Körper ist anders, daher ist es schwierig, die richtige Dosierung zu finden. Man muss seinen Körper ausloten, erfahren, wie der Körper auf Belastung reagiert, wie auf Ruhe“, erläutert sie.

Sprechstunden sollen regelmäßig stattfinden

Bei Kindern sei das oft besonders schwierig. „Eltern fällt es nicht leicht, die Kinder ausprobieren zu lassen. Aber die Kinder müssen sich auspowern dürfen. Sie müssen erfahren, wann eine Unterzuckerung droht“, meint John und spricht einen anderen, sensiblen Punkt an: „Eltern müssen sich auf ihre Kinder verlassen können. Sie müssen das Vertrauen haben, dass das Kind sich die richtige Dosierung an Insulin zuführt oder mit der Insulinpumpe sorgfältig umgeht. In Zeiten von Ganztagsschulen ist das unerlässlich, verlangt allen aber auch eine Menge ab.“

Ende März hat Gudrun John ihre erste Sprechstunde durchgeführt. Sie soll jetzt regelmäßig jeden letzten Freitag des Monats stattfinden. Eine telefonische Anmeldung ist nötig unter 02388/307257 und 0175/551588 sowie per E-Mail: g.john@lotsen-nrw.de.

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