Die meisten Frauen arbeiten in Teilzeit
Immer mehr Frauen arbeiten in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Vollzeit-Stellen aus: Dort lag der Frauenanteil bei 28 Prozent. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Sie beruft sich dabei auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur „atypischen Beschäftigung“. „Immer mehr Frauen werden in unsichere und niedrig bezahlte Jobs gedrängt“, sagt Helge Adolphs. Für den Geschäftsführer der NGG-Münsterland ist das eine „gefährliche Entwicklung“. Besonders stark hat die Teilzeit-Beschäftigung bei Frauen zugenommen. Vor gut zehn Jahren arbeiteten im Kreis Warendorf laut Studie noch etwa 9200 weibliche Beschäftigte in Teilzeit. Im vergangenen Jahr waren es bereits rund 16 400.

Viele finden keine Vollzeitanstellung

„Es ist längst nicht so, dass die meisten Frauen freiwillig weniger arbeiten. Viele finden einfach keine Vollzeit-Anstellung mehr – im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen“, erklärt Adolphs. Dies zeige, dass auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Warendorf „grundsätzlich etwas im Argen liegt“, so der Gewerkschafter. Gerade im Gastgewerbe oder in der Bäckerbranche hätten weibliche Beschäftigte immer seltener die Chance auf einen regulären Job. Stattdessen setzten viele Chefs auf Mini-Jobs, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen. „Die Folge ist Altersarmut. Schon heute haben viele Rentnerinnen damit zu kämpfen. Denn Frauen, die ihr Leben lang nur in prekären Jobs gearbeitet haben, bleibt nur eine Mini-Rente. Dazu kommen geringere Beiträge durch Elternzeit“, sagt Helge Adolphs. Es sei nicht hinnehmbar, dass es ausgerechnet alleinerziehende Mütter so schwer hätten, wieder mit einem normalen Job ins Berufsleben zurückzukehren. „Viele Unternehmen im Kreis Warendorf denken bei einer Bewerberin automatisch an Teilzeit, Mini-Job und Befristung“, beklagt der NGG-Geschäftsführer. Die NGG Münsterland fordert eine deutliche Umkehr auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Helge Adolphs: „Frauen brauchen nicht mehr Jobs auf Zeit und Zitter-Verträge, sondern mehr reguläre Stellen, von denen sie gut leben können. Weniger Stunden zu arbeiten, muss ihre freie Entscheidung sein. Teilzeit und Mini-Jobs dürfen nicht zum Normalfall werden.“ Die aktuellen Zahlen seien ein Warnsignal an Arbeitgeber und Politik. Wer jetzt nichts unternehme, der riskiere eine neue „weibliche Armut“.

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