Heimische Wirtschaft in Bestform

Auf dem Wachstumspfad befindet sich die heimische Wirtschaft. Besonders positiv ist die Situation im Baugewerbe, wie die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen in ihrem Konjunkturbericht feststellt.

97 Prozent der von der Kammer befragten Betriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage mit gut (51 Prozent) oder zumindest befriedigend (46 Prozent). Lediglich drei Prozent der Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Lage nicht zufrieden. „Das ist der niedrigste Wert, den wir jemals verzeichnet haben“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Eine Stimmung wie seit 20 Jahren nicht mehr herrsche im Baugewerbe gefolgt von einer ebenfalls hochgestimmten Industrie.

Privater Konsum beflügelt Konjunktur

Wesentlicher Motor der guten wirtschaftlichen Entwicklung ist nach Ansicht Schulte-Uebbings der gute private Konsum. Aber auch die Exportwirtschaft laufe wieder rund. Risikofaktoren wie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, ein möglicherweise wieder steigender Ölpreis oder die Lage in der Türkei haben dem Hauptgeschäftsführer zufolge ihren Schrecken verloren oder werden durch die gute Entwicklung in anderen Exportmärkten ausgeglichen.

Im Kammerbezirk, zu dem neben dem Münsterland auch die Emscher-Lippe-Region gehört, stiegen die Auslandsumsätze von Januar bis Juli um 7,9 Prozent. Zum Vergleich: In NRW stieg dieser Wert im gleichen Zeitraum nur um 7,4 Prozent. In der Region wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres Waren und Dienstleistungen im Wert von etwa zehn Milliarden Euro exportiert, etwas mehr als die Hälfte davon in Länder der Eurozone.

Als „erfreulichstes Resultat der Konjunkturumfrage“ wertet Schulte-Uebbing die deutlich ansteigende Investitionsneigung der Unternehmen. Eine moderne Produktion sichere die Wettbewerbsposition langfristig.

„Vollbeschäftigung weithin erreicht“

So gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr ist nach Angaben des Hauptgeschäftsführers auch die Lage am Arbeitsmarkt. „Im Münsterland ist Vollbeschäftigung weithin erreicht“, sagte Schulte-Uebbing. Aber auch in der Emscher-Lippe-Region sind demnach Fachkräfte knapp. Seit 2005 seien im Kammerbezirk 167 000 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze entstanden – ein Plus von 23 Prozent. Die Geschäftsaussichten sind der Umfrage zufolge ebenfalls gut. Knapp drei Viertel der Unternehmen rechnen damit, dass sich die Konjunktur auf dem eingeschlagenen Kurs entwickelt. Fast jede fünfte Firma schätzt sogar, dass es 2018 noch besser laufen wird.

Kreis Warendorf mit Schwächen

Die Konjunktureinschätzung im Kreis Warendorf weicht in Teilen ab von der Bewertung im Kammerbezirk. So ist die Lageeinschätzung fünf Prozentpunkte schwächer als im Kammerdurchschnitt. Kreise wie Borken oder Coesfeld werden von den dort ansässigen Unternehmen besser bewertet. Die Erklärung von Prof. Dr. Bodo Risch, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen: „Kommunen wie Beckum oder Ahlen stehen von ihrer Struktur dem Ruhrgebiet nah – und teilen auch die Probleme dieser Region.“ Der Kreis Warendorf hat aus Sicht von Risch zudem ein „erhebliches Verkehrsproblem“.

Die positiven Zukunftserwartungen im Kreis Warendorf sind dagegen deutlich höher als im Durchschnitt des Kammerbezirks. 32 Prozent der befragten Unternehmen erwarten im Kreis eine Besserung der Konjunktur, im gesamten Kammerbezirk sind es 18,5 Prozent. Laut Risch ist der Grund dafür der im Kreis dominante Maschinenbau, der im kommenden Jahr auf globales Wirtschaftswachstum setzt.

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