IHK-Urkunde für den ersten Azubi
Bild: Ebert
Die 16-jährige Nadine Harmann ist durch eine Initiativbewerbung an ihren Ausbildungsplatz als Bauzeichnerin gekommen. Mit Lineal und Maßstab beschäftigt sie sich mit dem Schulkonzept in Ennigerloh. Pläne gibt es in Papierform und auf dem Bildschirm.
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„Stellvertretend für sämtliche Ausbildungsbetriebe erhält Herbert Pohlkamp diese Urkunde“, sagte Carl Pinnekamp, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Warendorf. Mit einer Urkunde solle die Bereitschaft gewürdigt werden, jungen Menschen eine Chance zu geben.

Für Pohlkamp und seine drei bisherigen Mitarbeiter herrscht Premierenstimmung, denn Nadine Harmann ist die erste Auszubildende in dem 2000 gegründeten Unternehmens.

Talent früh entdeckt

„Bereits als Kind habe ich Zeichnungen angefertigt, wie mein Zimmer aussehen könnte. Ich habe die Möbel maßstabsgerecht gezeichnet und auf einem Plan hin und her geschoben, bis ich wusste: Es passt“, berichtete die Auszubildende.

Erst dann sei Nadine Harmann gegenüber dem eigenen Mobiliar handgreiflich geworden. Dieses planerisches Interesse entwickelte sich weiter. Die Ostbeveranerin absolvierte in ihrem Heimatort ein Schülerpraktikum und streckte im Internet ihre Fühler aus. Aus logistischen Gründen führte die Wahl des Ausbildungsstandorts nach Telgte, eine persönliche Anfrage bei Pohlkamp zum Ausbildungsvertrag. „So ohne Weiteres hätten wird keine Auszubildende gesucht“, gestand der Firmenchef, der sich auf ganzheitliche Bauberatung und -planung spezialisiert hat.

In dem Betrieb wird sie während der dreijährigen Ausbildung zur Bauzeichnerin ein solides Fundament für ihr Berufsleben erwerben. „Vielleicht sattelt sie später eine anerkannte Weiterbildung oder ein Studium oben drauf“, sagte Pinnekamp. Eines sei aber sicher: Mit einer Ausbildung auf der Habenseite hat Nadine Harmann eine gute Versicherung gegen Arbeitslosigkeit“, erklärte der IHK-Vizepräsident.

Vorsprung durch Ausbildung

Nicht nur die 16-Jährige profitiert von dem Kontrakt. Als Gewinner fühle er sich auch, konstatierte Herbert Pohlkamp. „Wer ausbildet, verschafft sich einen Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte.“ Eine defensive Haltung diesbezüglich einzunehmen, sei falsch. Die sich ständig verändernden Umstände und Anforderungen hätte Pohlkamp dazu gebracht, auszubilden. Die Unternehmen müsste sich vergegenwärtigen, dass sich wegen des demografischen Wandels das Angebot an Fachkräften kontinuierlich verringere, warnte Pinnekamp. Die Zahl der Schulabgänger verringere sich, und parallel dazu setze sich der Trend zur Akademisierung fort. Wer junge Menschen beim Start ins Berufsleben fördern und fordern wolle, übernehme aber auch eine große Verantwortung, sagte Pinnekamp. Auf Ausbildung müssten sich Unternehmen angemessen und sorgfältig vorbereiten. Sie sei nicht nebenbei zu leisten.

Nadine Harmann, die mit Alexander Osthues während ihrer Ausbildung einen firmeneigenen Betreuer zu Seite gestellt bekommt, fühlt sich in dem Planungsbüro pudelwohl. Morgens ab 7.30 Uhr beginnt ihr Arbeitstag, in dessen Verlauf sie in die praktische Arbeit vom ersten Tag an eingebunden wird. „Zurzeit beleuchten wir das Schulwesen in Ennigerloh“, erzählt sie selbstbewusst.

Ein solch engagiertes Verhalten nehmen Herbert und Ehefrau Conny Pohlkamp gern zur Kenntnis: Übernahme nach Ausbildungsende ist demnach nicht ausgeschlossen.

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