Im Internet kann jeder zum Opfer werden
Oft hilfreich, ja fast unentbehrlich – aber auch nicht ungefährlich: Jugendliche wachsen mit dem Internet auf. Die damit verbundenen Gefahren sollten von Eltern nicht unterschätzt werden.

 Der Fall, den Rita Niemerg, beim Kreisjugendamt zuständig für Kinder- und Jugendmedienschutz, schildert, ist kein Einzelfall. Häufig würden Kinder Opfer von so genanntem Cyber-Mobbing (beleidigen, bedrohen oder verunglimpfen anderer im Internet). Aber auch Kindern und Jugendlichen selbst gäben als Folge von Naivität und Unerfahrenheit Daten, Gewohnheiten und Fotos oft viel zu freizügig im Netz preis. Und die Eltern wiederum wüssten oftmals nicht, was der Nachwuchs am Computer so treibe. Sie seien selbst häufig mit dem Medium überfordert. „Wir haben hier im Kreis eine große Bedrohungslage, denen Kinder und Jugendliche hoffnungslos ausgeliefert sind“, stellte Kreisjugendamtsleiter Wolfgang Rüting klar. „Mit dem Schritt ins Internet ist die soziale Kontrolle abgeschnitten“, schilderte der Amtsleiter ein Problem des Internets. Bei der Kommunikation im Netz werde Jugendhilfeplaner Frank Peters zufolge vielfach eine Hemmschwelle aufgehoben, die in der persönlichen Kommunikation nicht so leicht überschritten werden würde. Im Internet sei quasi alles möglich.

Flucht in Parallelwelten

Jeder könne neue Identitäten annehmen, in Parallelwelten flüchten, sich tatsächlicher Kommunikation entziehen, Unwahres über andere verbreiten. Jeder könne auch Opfer werden. „Das Netz vergisst nichts“, macht Peters auf die Gefahren aufmerksam. Das Kreisjugendamt sei in zweierlei Hinsicht gefordert: „Einerseits müssen wir das Internet als Bedrohungsquelle im Blick haben und es noch viel mehr in den Blick nehmen. Andererseits müssen wir acht geben, dass wir den Anschluss an die rasante Entwicklung nicht verpassen und bezüglich des Internet-Verhaltens von Kindern und Jugendlichen mithalten“, betonte Rüting. Es sei erforderlich, sämtliche beliebte Kommunikationsplattformen wie „Facebook, Schüler- oder Studi-VZ, Second Life oder ICQ, eine Art Chat“, zu kennen, sagte Medienschutzfachkraft Rita Niemerg. Notwendig sei einzig und allein Aufklärung: Aufklärung der Eltern über die Möglichkeiten sowie die Gefahren des Internets; Aufklärung der Schüler, die oftmals unvorsichtig mit ihren Daten umgingen und private Dinge preisgäben, informierte sie. „Die einzige Chance sei, kontinuierlichen Kontakt zu Kindern und Eltern zu haben“, ergänzte Rüting. „Wir müssen Kinder und Jugendliche stark machen, und Eltern klar machen dass sie auch hier einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen und sich zu kümmern haben“, so sein Fazit.

SOCIAL BOOKMARKS