In Apotheken fehlen Medikamente
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Lieferengpässe bei Arzneimitteln gefährden nach Ansicht der heimischen Apotheker die Sicherheit der Patienten.
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„Meine Mitarbeiter und ich verbringen täglich viele Stunden damit, irgendwie noch ein passendes Arzneimittel für die oftmals verunsicherten Patienten zu bekommen. Dass in einem Land, das einmal als ‚Apotheke der Welt‘ galt, viele Menschen wochenlang auf ihr gewohntes Arzneimittel verzichten müssen, ist skandalös“, ärgert sich Wülfing über die Lieferengpässe. „Den Apotheken beschert das viel Arbeit und zusätzliche Kosten. Für die Patienten bedeutet es, dass sie gegebenenfalls viel Geld für Produkte alternativer Hersteller zuzahlen und sich auf andere Hersteller umstellen müssen. Das ist eine Gefahr für die Patientensicherheit“, erklärt der Apotheken-Sprecher.

Dabei handele es sich nicht etwa um Exoten-Medikamente, sondern um einfache Standard-Arzneimittel wie zum Beispiel gegen Bluthochdruck, Blutzuckersenker, Ibuprofen in bestimmten Freisetzungsformen oder Schilddrüsen-Medikamente, die teils Wochen und Monate nicht lieferbar seien.

Patienten müssten sich nicht einfach nur auf eine andere Marke einstellen – und schon das sei gerade bei älteren Patienten, die mehrere Arzneimittel einnähmen, problematisch: „Leichte Dosisschwankungen zum Beispiel bei Hormonpräparaten haben starke Auswirkungen auf die Betroffenen, die auf ein neues Präparat eingestellt werden müssen. Und ist das nach vielen Wochen endlich erfolgt, muss dann das nun wieder lieferbare Arzneimittel abgegeben werden.“

Apotheken-Sprecher Wülfing findet, dass Arzneimittel nicht dem freien Warenverkehr ausgesetzt werden dürften: „Medikamente sind keine Ware wie jede andere. Sie sind erklärungsbedürftig und überlebenswichtig.“ Ihm als Apotheker sei es übrigens ziemlich gleichgültig, wie teuer die verschreibungspflichtigen Arzneimittel sind: „Ich bekomme mein Honorar fast ausschließlich pro Packung. Für mich ist es nicht relevant, ob die Packung fünf oder 50 Euro kostet.“

(Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe der „Glocke“ am Freitag, 31. Januar 2020)

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