Junge Menschen mit vielen Einfällen
Existenzgründungsideen junger Menschen zum unternehmerischen Fliegen bringen – darum ging es beim Ideen-Camp der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf in Westbevern.

In Deutschland mangelt es an Gründern. Die Deutschen scheuen das Risiko der Selbstständigkeit. Der Nachwuchs will vor allem beim Staat arbeiten. Derlei Schlagzeilen, basierend auf dem jüngsten Gründungsmonitor der Förderbank KfW, bot das Treffen nicht. Die jungen Teilnehmer in Westbevern wollten ihre Ideen vorstellen, um sich vielleicht auf das Wagnis einer Unternehmensgründung einzulassen.

Wissbegierige Schüler

Wissbegierige Schüler fanden in gestandenen Unternehmern ihre Mentoren, um gemeinsam die Pfiffigkeit der Vorstellungen auf Praxistauglichkeit zu prüfen. „Sie wollen ihr eigener Chef werden oder sind es schon“, sagte Janina Ostendorf, Leiterin „Transfer Hochschule Wirtschaft“ der GFW. Außer dem Maschinenbauer Dirk Münstermann, in dessen Firmenräumen das Ideen-Camp stattfand, waren Fachleute aus Finanzwelt, Marketing oder Digitalisierung nach Westbevern gekommen, „um die Ideen der jungen Leute auf ein neues Level zu bringen“, wie Jochen Heimann sagte.

Für Unternehmertum begeistern

Der Leiter des in Hamm ansässigen Regionalbüros West- und Mitteldeutschland der Non-Profit-Initiative „Startup Teens“ will Jugendliche fürs Unternehmertum begeistern. Dazu sieht die Start-up-Szene allen Grund. Denn laut KfW haben nur noch 25 Prozent der Erwerbsbevölkerung den Wunsch, durch Selbstständigkeit der eigene Chef zu werden. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich die Zahl fast halbiert. Zugleich gab es noch nie so wenige Existenzgründungen.

Deutschland droht, Museum zu werden

„Wenn immer mehr Menschen Verbeamtung und Festanstellung wollen und immer weniger unternehmerisches Risiko tragen, droht Deutschland eine Art Museum zu werden“, sagte GFW-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann, „wir wollen aber lieber ein vitaler Wirtschaftsraum bleiben.“ Deshalb veranstaltet und fördere die GFW Initiativen zur Unternehmensgründung so früh wie möglich. Eingeladen waren nach dem ersten Workshop in Ahlen im Mai 2019 jetzt zum Ideen-Camp in Westbevern auch Jugendliche, die noch keine konkrete Geschäftsidee haben, aber Methoden und Techniken unternehmerischer Kreativität kennenlernen wollten.

„Was geht?“

Die Vorstellungen kreisten um Digitalisierung, Merchandising, Design, Foto, Video, Flugreisen oder Food, drehten sich aber auch um soziale statt asoziale Medien, Face to Face statt Facebook, analoge Netzwerkbildung von Mensch zu Mensch statt über anonyme Digitalmedien oder einen Kaffeebecher, „der die Welt grüner macht“. An Einfallslosigkeit litt das Ideen-Camp in keiner Minute. „Was geht?“ war die häufigste Frage, um die Ideen zum Fliegen zu bringen. Junge, bereits erfolgreiche Start-up-Unternehmer, die zum Teil selbst noch die Schulbank drücken, konnten besonderen Mut machen. Gut war aber auch, dass eine Telgter Finanzexpertin den jungen Leuten eine weitere wichtige Starthilfe geben konnte: „Wie kommt man vorwärts, ohne Geld zu haben, und wie geht es weiter, wenn sich das ändert.“

Hier blamiert sich keiner

Eine andere Sorge hatte Jochen Heimann den Ideen-Campern zuvor dank der offenen und vertrauensvollen Workshop-Atmosphäre genommen: „Hier blamiert sich niemand mit einer noch so abwegig erscheinenden Idee und hier klaut sie keiner.“

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