Kritik an Zuverlässigkeit der Eurobahn
Mit viel Vorschusslorbeer war die „Eurobahn“ Ende 2013 gestartet, nachdem die Zweckverbände Münsterland und Ostwestfalen bei der Neuausschreibung dem Bewerber den Vorzug vor der Konkurrenz gegeben hatte. In Bielefeld wurde die Übernahme der Strecke von der Nordwestbahn mit „großem Bahnhof“ gefeiert. Inzwischen häufen sich die Beschwerden über die Unzuverlässigkeit des Betreibers.

In einem Brief an die Verantwortlichen bei Eurobahn, Zweckverband und Politikern hat Nergert seinem Ärger Luft gemacht. Der tägliche Gang zum Bahnhof sei mit der Frage verbunden, ob der Zug pünktlich oder überhaupt komme. Nergert: „Ich empfinde die zahlreichen Ausfälle und Verspätungen als respektlosen Umgang mit der Lebenszeit vieler Menschen.“ Er kenne Betroffene, die inzwischen lieber einen Zug früher nehmen, um pünktlich am Arbeitsplatz zu sein.

Zugausfälle und Verspätungen

Die Zugausfälle und Verspätungen hält Nergert „in der Häufigkeit für einen untragbaren Zustand“, und er fragt sich, ob der Betreiber dafür eigentlich eine Vertragsstrafe zu zahlen habe. Zudem sorgt sich der im Prinzip überzeugte Bahnfahrer, ob es auf der Strecke „aufgrund der Unzuverlässigkeit der Eurobahn“ bereits zu Rückgängen der Fahrgastzahlen gekommen sei.

Die Mängelliste ist lang. Bis heute fehle in den meisten Fahrzeugen der Fahrkartenautomat. Reisende hätten oft nicht die Möglichkeit, ein Ticket zu kaufen, denn qualifizierte Zugbegleiter seien nur selten an Bord. Daher dürfte es zu erheblichen Einnahmeausfällen kommen, und Nergert hätte gern gewusst, wer die eigentlich zu tragen habe. Auch die Möglichkeit, Fahrräder ordnungsgemäß abzustellen, sei nicht in allen Fahrzeugen gegeben, beklagt der Grünen-Politiker. Wie bei den Kartenautomaten sei auch hier die Zusage (unter anderem gegenüber Warendorfs Landrat Dr. Olaf Gericke), diesen Zustand bis Mitte des Jahres abzustellen, nicht eingehalten worden.

Keine Nutzerorientierung

Zwar stört Nergert „die fehlende einheitliche Gestaltung der Fahrzeuge“ nicht, aber sie passe ins Bild, und das zeige auch im Detail, „wie wenig Interesse die Eurobahn an einem nutzerorientierten Angebot auf der Strecke hat“: Fahrpläne würden in den Fahrzeugen nicht ausgelegt (oder die falschen), Fahrgäste würden über Verspätungen weder mit Durchsagen noch auf den elektronischen Anzeigetafeln informiert.

Nergert hat wenig Hoffnung, dass sich die Zustände bessern, und er will von den Verantwortlichen beim öffentlichen Auftraggeber, dem Zweckverband SPNV Münsterland, wissen, ob der Vertrag aufgrund der Mängel gekündigt werden könne. Dann bliebe nur die Neuausschreibung der Verkehrsleistung übrig.

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