“Laut und Luise„ auf Nottbecks Wiese
Bild: Austrup
Auf die Spuren der „Wandelgermanen“ begab sich Oliver Uschmann, stilecht ohne Schuhe und Socken, auf dem Barfußpfad.
Bild: Austrup

Zwei Tage lang erlebte das Publikum einen ebenso kreativen wie experimentellen Umgang mit Literatur und Musik heute. Dies unter Einbeziehung des gesamten, weitläufigen Areals rund um das Kulturgut des Kreises.

Dass dabei niemand still sitzen und auf Berieselung warten konnte, sollte den besonderen Reiz und damit letztlich auch die Kurzweiligkeit der Veranstaltung ausmachen. Zumindest am zweite Festivaltag ging diese Rechnung auf. Hatten ergiebige Regenwolken den Vollblutmusiker und Lyriker Frank Spilker und seine „Flowerpornoes“ am Freitagabend noch vom Innenhof in den großen Saal vertrieben, konnte „Strange Kebap“, das Projekt des preisgekrönten Autors Ralf Thenior und des Soundpoeten Ralf Werner, programmgemäß auf der Hauptbühne stattfinden.

Die einstündige lyrisch-musikalische Reise entführte die in bester Festivalmanier nach und nach eintrudelnden Gäste in (Ruhrpott-) Welten, in denen Omas Tauben tot füttern, unglückliche Jungs an den Knöpfen ihrer Handys spielen und ein Tamile die am längsten geöffnete Trinkhalle im Umkreis von fünf Straßen betreibt.

Dann wechselten die Stationen, machte sich das Publikum auf Entdeckungsreise. Auf dem Barfußpfad führte Oliver Uschmann in die Welt seiner „Wandelgermanen“ ein, in der Kellerluke am Herrenhaus philosophierte Christoph Wenzel über „Nachtschichten“, die Märchenausstellung des Literaturmuseums war Schauplatz einer beeindruckenden Stimmenimprovisation.

 „Wodka und Oliven“ gab es nicht nur literarisch auf der Obstwiese bei Adrian Kasnitz, atemberaubende Sprechduelle lieferten sich Julia Trompeter und Xaver Römer im Pavillon vor der Steinbank.

Allein „Feuerschamane“ Tom Liwa rief ein wenig Ratlosigkeit hervor. Was seine von esotherikschwangeren Sprüchen (Winde des Ostens, des Südens und des Nordens, übergebt die Sorgen der Welt der reinigenden Kraft des Feuers) flankierte Kokelei mit Lyrik zu tun hat, wird wohl das Geheimnis der Veranstalter bleiben.

Wie auch immer, als alle Akteure zu abschließenden Zugaben in den großen Saal riefen, schaute mancher verwundert auf die Uhr. Und spätestens am Ausgang war man sich einig: „Der Westfale mag’s auch lyrisch“.

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