Lieferengpass bei Tollwutimpfstoff
Bild: Dorsel
Für Notfälle ist noch genügend Impfstoff gegen Tollwut vorhanden. Seit Monaten aber werden Apotheken und Ärzte im Kreis Warendorf vertröstet, da es zu Lieferengpässen gekommen ist. Afrika- und Asienreisende müssen derweil zur Impfung nach Münster fahren.
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 Die Problematik ist dabei keinesfalls von den Firmen allein verschuldet: Die hoch komplizierte Herstellung der Totimpfstoffe kann nur chargenweise vollzogen werden, da „Impfstoffe Naturprodukte sind“, so Dr. Doris Dorsel, Leiterin der Patientenberatung der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Die Viren müssen gezüchtet und anschließend so verändert werden, dass sie nicht mehr gefährlich sind, aber dennoch die gewünschte Schutzreaktion des Körpers hervorrufen“, berichtet Dr. Dorsel weiter. Die Schwierigkeit bei der Herstellung sei, dass sich die Viren möglichst nicht verändern sollten. Aus diesem Grund wird der Tollwutvirusstamm bei Nichtverwendung eingefroren und nur für einzelne Chargen (geplante Lieferungen) aufgetaut und aufbereitet.

Chargenmengen nur zu schätzen

Die Chargen, die in naher Zukunft benötigt werden, können nur geschätzt werden. Da sich die Impfstoffe aber nach dem Auftauen wieder verändern können, wird nur so viel aufbereitet, wie der erwartete Verbrauch vorgibt. Dieser kann sich allerdings durch veränderte Reisevorlieben vor allem in die Risikogebiete Asien und Afrika schnell ändern. Der jetzige Lieferengpass lässt sich aber vermutlich durch eine nicht gelungene Charge erklären. Das kann durchaus vorkommen – erst wenn im Tierversuch die gewünschte Immunreaktion auftritt und Nebenwirkungen ausbleiben, kann der Impfstoff ausgeliefert werden. Aufgrund der hochkomplizierten Produktionsabläufe, der veränderlichen Viren und dem hohen Qualitätsanspruch sei mit solchen Ausfällen zu rechnen, erklärt Dr. Dorsel die derzeitige Lage. Auch der Hersteller des Typhus-Impfstoffs habe für Mitte 2014 einen vermutlichen Lieferengpass angekündigt: „Impfstoffhersteller können nicht plötzlich mehr produzieren, da ein Produktionszyklus sechs Monate bis zwei Jahre beanspruchen kann“, erklärt Dr. Dorsel die Problematik der Impfstoffproduktion.

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