Markus Krebs: Das Leben der Anderen 
Bild: Ebert
So sehen Sieger aus: Brille, Mütze und Biathlon-Wunderkind Magdalena Neuner auf der Brust. Markus Krebs hat sich auf den Arm das Datum tätowieren lassen, an dem er den Comedy Grand Prix gewonnen hat. Würde er diesen Triumph sonst vergessen.
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Der Gewinner der RTL-Comedy-Castings 2011 ballert Plattidüden heraus, schämt sich für seine Zoten und grinst über gekonnte Wortspiele. Das Publikum im Telgter Bürgerhaus schlägt sich am Freitagabend auf 540 Schenkel. Zweitage-Bart, Schlabber-T-Shirt und Jeans kennzeichnen ihn als echten Duisburger. Die Sonnenbrille Marke „Ray Ban“ zeugt davon, dass Markus Krebs die ganz schlechten finanziellen Zeiten überstanden hat.

Total autistisch

Von denen berichtet er aber mit Vorliebe. Und von seiner Heimat, aber Duisburg muss sehr klein sein: Der 42-Jährige pendelt bei seinen Erzählorten zwischen Wohngemeinschaft, Klosett und Kneipe. Dort hat ihm eine Liebe gestanden, dass er „total autistisch rüberkommt“. Dieses „nicht gerade hellste Licht auf der Torte“ liefert eine Steilvorlage nach der anderen im Pointenfeuerwerk: Sandra putzt und dient sich durch die WG. Und: sie dreht bei Tetris sogar das Quadrat. Es sind seine Kumpel, die mit ihrer Einfältigkeit Stoff für das Programm des liebenswerten Prolls geliefert haben.

Leben kein Ponyschlecken

Einer von denen ist Buchautor. Das Erstlingswerk („Ich bin Atheist – Gott sei Dank“) verkauft sich gut. Letztlich ist auch dieser Trinkkumpan ein einfältiger Kracher, bei dem „eine Depression bereits eine Stimmungsverbesserung darstellt“. Für Markus Krebs ist das Leben kein „Ponyschlecken“, die Durchschnittstypen ziehen ihn an, und Krebs haut drauf. Wie auf die Bekannte seines Freundes, die so „hässlich war, als hätte sie auf einer Beerdigung einen Strauß gefangen“. Und den Mitbewohner, der „beim Kniffeln die Chance gestrichen hat.“ Das ist der, der im Park die Tauben gefüttert hat. „Und ich hab immer gesagt, lass die Gehörlosen in Ruhe“, blödelt der Pferdeschwanzträger im Ruhrpottslang an der Grenze des guten Geschmacks.

Hart an der Grenze

Auf den Spuren des Hamburger Altstars und Witzeerzählers Fips Asmussen tänzelt der Senkrechtstarter der Comedy-Szene durchs Bürgerhaus, trifft mit seinen Erinnerungen zu oft unter die Gürtellinie. Er arbeitet sich aber mit der Frage „Wie heißt das Geschlechtsteil eines Elefanten?“ wieder aufwärts. „Diktiergerät“ heißt die Antwort, die mit Verzögerung für Applaus sorgt. Ansatzloses Klatschen garantieren Bemerkungen über Krebs WG-Vergangenheit. In dieser Wohnung musste man sich die Schuhe säubern, sobald man diese verließ. Der Alleinunterhalter liefert auch philosophische Ansätze. Den Bodensatz solchen Gedankenguts lieferte dessen Vater, der Klein-Markus lehrte: „Frauen sind wie Hurrikane. Zuerst sind sie heiß und feucht, dann nehmen sie uns Haus und Auto weg.“

Proll-Philosoph

Krebs lässt die Besucher an seinen Gedankengängen zu Grundsatzfragen teilhaben, nachdem er Schorle gegen Flaschenbier eingetauscht hat: „Was fühlen Schmetterlinge, wenn sie verliebt sind? Warum wird die Todesspritze desinfiziert?“ Das Publikum rast. Der Mann, der so spirituell ist, dass er „Wasser sogar medium“ trinkt, schwingt sich als ehemaliger Hartz-IV-Bezieher auf zum Anwalt des Fußvolks. Markus Krebs doziert: „Wenn ihr bei Eurem Arbeitsamt kein Geld kriegt, dann geht zum nächsten.“ So einfach ist das Weltbild eines Mannes, der „Stuttgart 21“ für ein Kartenspiel hält.

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