Missbrauch: Vorwürfe teilweise zugegeben
Foto: Münch
Der 35-jährige Angeklagte aus Ostbevern (r.) und sein Verteidiger Dr. Dierk Straeter verfolgen den Prozess am Landgericht Münster Corona-bedingt hinter Plexiglasschutz.  
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Damit hat der größte Missbrauchs-Komplex deutschen Justizgeschichte auch den Kreis Warendorf erreicht. Der Angeklagte gehört zu den engen Kontakten des heute 28 Jahre alten Münsteraners, der als Kopf des Pädophilenrings gilt, dessen Aktivitäten weit über das Münsterland hinausreichten.

Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen

Der Prozessauftakt verlief Montag ähnlich wie bei den anderen Verfahren im Umfeld des Münsteraners.: Das Gericht schloss die Öffentlichkeit beim Anklagevortrag der Staatsanwaltschaft aus, um die betroffenen Kinder zu schützen. Dies beantragte die Anwältin eines Opfers ebenso für die Einlassungen des Angeklagten, den Vortrag des psychiatrischen Gutachters, die Sichtung des Bild- und Filmmaterials sowie der Chatverläufe zwischen dem Münsteraner und dem Ostbeveraner.

Staatsanwalt und Verteidigung schlossen sich an. Opfer des 35-Jährigen ist laut Anklage ein Junge. Es handelt sich um den heute elfjährigen Sohn der Lebensgefährtin des Hauptangeklagten aus Münster. Dieses Kind soll der Mann aus Ostbevern zwischen Dezember 2019 und März 2020 dreimal schwer missbraucht haben.

Vorwürfe zunächst bestritten

Der Ostbeveraner hatte den Münsteraner 2019 über Messengerdienste im Internet kennengelernt. Über ihn bekam er bei gemeinsamen Treffen Kontakt zu dem damals zehnjährigen Stiefsohn des Münsteraners. Den Kontakt zu beiden streitet der 35-Jährige nicht ab, wohl aber die Vorwürfe der Vergewaltigung. Davon wich er gestern ab und räumte die Vorwürfe teilweise ein. Bleibt er dabei, dann bliebe den betroffenen Kindern eine weitere Aussage vor Gericht erspart. 

Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischen Materials

Außer dem Missbrauch umfasst die Anklage den Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischen Fotos und Videos. Welche Dimensionen die pädophile Unterwelt hat, zeigte sich am Montag eindrucksvoll. Zeitgleich zum Prozessauftakt veröffentlichten die Ermittlungsbehörden den Schlag gegen einen Kinderpornografie-Ring im Darknet. Darin sollen weltweit mehr als 400 000 Teilnehmer verstrickt sein. Der Kopf: ein 40-jähriger Mann aus Paderborn. Der Prozess gegen den Mann aus Ostbevern wird am 10. Mai fortgesetzt. Die Strafkammer hat zunächst zehn Verhandlungstage bis Anfang Juli terminiert.

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