Noch immer keine Gleichberechtigung
Bild: D. Reimann
Zur Einstimmung ins Thema waren die Gleichstellungsbeauftragten (v. l.) Elke Göller (Drensteinfurt), Ingeborg Pelster (Warendorf), Manuela Stumpe (Sassenberg) und Margarete Göttker (Ostbevern) in die Rollen früherer Frauenrechtlerinnen wie Marie Juchacz, Clara Zetkin, Elisabeth Selbert und Hedwig Dohm geschlüpft.
Bild: D. Reimann

Noch immer verdienen sie für die gleiche Arbeit weniger als ihre männlichen Kollegen. Warum das so ist und wie Frauen verstärkt für politische Arbeit auch auf kommunaler Ebene gewonnen werden können, darüber diskutierten die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Warendorf am Samstag im Wappensaal auf Harkotten in Füchtorf mit Politikerinnen aus Kommunal-, Kreis- und Landespolitik sowie mit Besucherinnen. „Politik braucht Vielfalt, braucht Frauen, damit auch Frauenthemen in die Politik gebracht werden“, erklärte Manuela Stumpe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sassenberg, bei ihrer Begrüßung. Sassenbergs Bürgermeister Josef Uphoff kam nicht umhin, den Gastgeberinnen Recht zu geben. „In der politischen Landschaft in Räten, Kreistag und in politischen Gremien herrscht in der Tat kein Geschlechtergleichgewicht.“ Die Stadt Sassenberg sei dabei ein besonderes Beispiel. Denn im Rat sei der Frauenanteil gleich Null. Die 24 ehrenamtlichen Ratsmitglieder seien alle Männer. Es gebe jedoch einige Frauen, die als sachkundige Bürgerinnen in verschiedenen Gremien mitarbeiteten, berichtete Uphoff.

Frauen müssen ihr Potenzial erkennen

Im Anschluss schlüpften die Gleichstellungsbeauftragten Manuela Stumpe, Ingeborg Pelster (Warendorf), Elke Göller (Drensteinfurt) Margarete Göttker (Ostbevern) in die Rollen früherer Frauenrechtlerinnen, die vieles in Sachen Gleichberechtigung in Gang gesetzt haben. Was nun zieht Frauen in die Politik, was hindert die Frauen, sich politisch zu engagieren und wie schafft man es, mehr Frauen für die politische Arbeit zu begeistern? Diese Fragen diskutierte Moderatorin Christa Paschert-Engelke mit Elisabeth Kammann, seit 2004 Beelens hauptamtliche Bürgermeisterin, Annette Watermann-Krass, SPD-Landtagsabgeordnete, Dr. Susanne Lehnert, CDU-Kreistagsabgeordnete, sowie Jessica Wessels, Fraktionsvorsitzende des Warendorfer Grünen-Ortsverbands. Es zeigte sich eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben schon in ihrer Jugend Verantwortung übernommen, sei es als Klassen- oder Stufensprecher. Allen gemeinsam ist auch die Begeisterung, Dinge mitgestalten zu wollen und zu können. Auch das Elternhaus sei ein prägender Faktor in der Entwicklung gewesen. Elisabeth Kammann etwa lernte, sich unter zehn Geschwistern durchzusetzen, Annette Watermann-Krass erinnert sich an regelmäßige politische Diskussionen beim sonntäglichen Frühschoppen, und auch im Elternhaus von Dr. Susanne Lehnert sei es stets gefördert worden, die eigene Meinung zu vertreten und auch gegenüber anderen Positionen auszustreiten. Ganz wichtig sei auch ein Partner, der die politische Arbeit der Frau mittrage. Dazu komme die Begeisterung und der Wille, Dinge verändern und mitgestalten zu wollen. „Man muss da Bock drauf haben“, brachte es Jessica Wessels auf den Punkt. Doch was hindert Frauen, sich politisch zu engagieren? Immer noch ist es die Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung, die Probleme bereitet. Dazu komme oft genug ein Partner, der sein Recht fordere und dazu noch manches Ehrenamt. Vielen Frauen mangele es an Selbstvertrauen. „Frauen müssen ihr Potenzial erkennen, wissen, dass das, was sie beitragen können, wertvoll ist“, konstatierte Dr. Lehner, die sich für mehr Frauen in Führungspositionen aussprach.

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