Perspektive für clevere junge Menschen
Bild: Kraneburg
Werben für das heimische Handwerk mit Perspektive: (v. l.) der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Frank Tischner und Geschäftsführer Günter Schrade.
Bild: Kraneburg

 „100 offene Ausbildungsstellen sind sofort zu besetzen“, machte Tischner im Pressegespräch deutlich, dass es nicht an Angeboten fehle, oft aber an qualifizierten Bewerbern. Diese Lücken könnten auch nicht sofort von Flüchtlingen geschlossen werden - dafür lägen erforderliche und tatsächliche Qualifikation noch zu weit auseinander. „Sprache ist wichtig – Mathematik aber auch“, bestehen laut Tischner bei den Ankommenden oft größere Wissenslücken als zunächst erwartet. Die Kreishandwerkerschaft beteiligt sich an der Weiterbildung mit einem Pilotprojekt, an dem 45 Asylbewerber beteiligt sind. Weitergehend werde man sich aber nicht engagieren. Tischner zur Begründung: „Flüchtlinge sind kein Geschäftsmodell. Mich nervt dieses Flüchtlingsmarketing – große Konzerne suchen doch nur billige Hilfskräfte, die bei der nächsten Krise wieder auf der Straße stehen.“ Noch seien die Konjunkturaussichten im Handwerk glänzend. Tischer: „90 Prozent der Betriebe erwarten ein ähnlich gutes Jahr wie das vorherige.“ Etwas schwieriger sei es bei den Firmen im Kreis Warendorf, die direkt oder indirekt vom Export abhängig seien. Das betreffe im Handwerk allerdings nur fünf Prozent der Unternehmen. Sie spürten die politischen Unruhen in Europa, beispielsweise das Russland-Embargo. Bedauerlich sei auch die Entwicklung, dass bei größeren Vorhaben meist nur noch Generalunternehmer beauftragt würden, statt kleinteilig an Firmen aus der Region zu vergeben. Sorge bereitet dem Hauptgeschäftsführer auch die verstärkt fehlende Anerkennung für handwerkliche Berufe: „Wenn der Vater HNO-Arzt ist und der Sohn einen Hörakustik-Betrieb leitet, dann gilt das schon als sozialer Abstieg.“ Dabei gelte der Meisterbrief heute soviel wie ein Bachelor-Abschluss. Für clevere junge Menschen ständen die Chancen, sich einmal selbstständig machen zu können, sehr gut. Tischner: „25 Prozent der Betriebsinhaber im Kreis sind 60 Jahre und älter – sie alle suchen einmal gute Nachfolger.“ Gerade für Abiturienten böten sich im Handwerk Möglichkeiten.

SOCIAL BOOKMARKS