Südafrikaner lernen duales System kennen
Zimmerermeister Thomas Dopheide aus Warendorf (4. v. l.) erklärte der südafrikanischen Delegation, warum Ausbildung im deutschen Handwerk so wichtig ist.

Seit November besteht die Berufsbildungspartnerschaft zwischen der Kreishandwerkerschaft und dem „uMfolozi College“ in Richards Bay, Südafrika. Bei dem Projekt geht es darum, Elemente des deutschen dualen Berufsausbildungssystems in die südafrikanische Bildungsstruktur zu implementieren, neue praxisorientierte Ausbildungsangebote zu entwickeln und ein Netzwerk von Schule und Unternehmen in der Region aufzubauen. Noch erfolgt die Berufsausbildung in Südafrika fast ausschließlich im schulischen Betrieb des Colleges und kaum in Unternehmen. Wie anders die duale Berufsausbildung in Deutschland organisiert ist und warum es so gut funktioniert – das wollte die achtköpfige Delegation aus Südafrika vor Ort erkunden. Begleitet wurden sie von dem Langzeitexperten der Kreishandwerkerschaft in Südafrika, Oliver Petzoldt. Die Frage nach der Motivation der Betriebe auszubilden, obwohl dies Kosten verursacht, wie auch nach den Gründen für die Jugendlichen, statt einer schulischen oder akademischen Ausbildung eine betriebliche Lehre anzustreben, wurden bei den Besuchen in verschiedenen Handwerksunternehmen nachgegangen. Auch das von der Firma Münstermann in Westbevern entwickelte und vorgestellte „Telgter Modell“, in dem die Wirtschaft in Kooperation mit den Schulen die Jugendlichen erreichen will, gab einen Einblick, wie wichtig die Unternehmen in Deutschland das Thema Ausbildung nehmen. Dass die betriebliche Ausbildung nicht den wirtschaftlichen Interessen der Betriebe unterliegt, sondern über einen festen und für alle verbindlichen Rahmen erfolgt, war dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Frank Tischner, wichtig zu betonen. So sind die Berufsschulen gleichrangiger Bestandteil der dualen Ausbildung, und die überbetrieblichen Unterweisungsmaßnahmen, die beispielsweise in den Bildungs-Centern der Kreishandwerkerschaft durchgeführt werden, dienen dazu, Standards in der handwerklichen Berufsausbildung – unabhängig von der Größe und Spezialisierung eines Ausbildungsbetriebes – zu sichern.

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