Teufelskreis Sozialhilfe durchbrechen
Das Ministerium informierte sich im Kreishaus über das neue Projekt des Jobcenters für Familien: (v. l.) Wolfgang Rüting (Leiter Jugendamt), Dr. Heinz Börger (Kreisdirektor), Petra Schreier (Leiterin Jobcenter), Susanne Beier (Jobcenter), Inge Lütkehaus (G.I.B., Gesellschaft für Innovative Beschäftigungsförderung), Kerstin Gebauer (MAIS), Dr. Julia Brennecke (Referatsleiterin MAIS), Prof. Dr. Claus Reis (FH Frankfurt).

Es nimmt zwölf Musterfamilien verstärkt an die Hand – um besser zu verstehen, wo es hakt und wo es Lücken im System gibt.

Zusammen mit weiteren Partnern war Anfang 2014 das Projekt zur „Durchbrechung von familiär verfestigten Mustern der Arbeitslosigkeit“ ins Leben gerufen worden. Zu einer Zwischenbilanz des aus Mitteln des Landes NRW und des Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts kamen Vertreterinnen des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales (Mais) NRW jetzt zu Besuch ins Kreishaus. „Der neue Ansatz bedeutet, dass wir nicht nur die Eltern, sondern die Lebenssituation der ganzen Familie in den Blick nehmen. So können Hilfeangebote passender unterbreitet werden“, sagt Projektleitern Susanne Beier vom Jobcenter.

Als landesweit erster Pilotstandort hatte sich der Kreis Warendorf gemeinsam mit der Stadt Ahlen auf den Weg gemacht. Vorhandene Hilfsangebote zu bündeln, um Hand in Hand und mit einer Blickrichtung bedürftige Familien zu unterstützen – das steht im Mittelpunkt. Dabei sollen die Belange von Alleinerziehenden sowie Familien mit Migrationshintergrund besonders berücksichtigt werden. „Für in Not geratene Familien ist es oft schwierig zu erkennen, welche Institution welches Hilfsangebot vorhält“, erläutert Susanne Beier. Um die Familien zu entlasten, haben der Kreis Warendorf, die Arbeitsagentur Ahlen-Münster, die Stadt Ahlen sowie die freien Wohlfahrtsverbände neue Strukturen geschaffen. An den Modellstandorten Warendorf und im Ahlener Südosten werden derzeit jeweils sechs Familien ganzheitlich betreut und unterstützt.

Kreisdirektor Dr. Heinz Börger betonte, dass in den Städten bereits sehr gute Strukturen vorhanden waren, die es zu verknüpfen galt. „Der Ahlener Bürgermeister Benedikt Ruhmöller hatte die Bedeutung der Projekts für den Südosten der Stadt, wo sich Arbeitslosigkeit und weitere Probleme verdichten, unterstrichen“, so Dr. Börger. Kindern drohe das gleiche Schicksal wie den Eltern, so die Erfahrung des Ministeriums.

„Was uns besonders freut, ist das Echo der betroffenen Familien, die die neue Verknüpfung der Hilfestellung gern angenommen haben. Eine alleinerziehende Hilfeempfängerin hat es kürzlich so auf den Punkt gebracht: ,Das neue System erspart mir Zeit und Nerven.’ Solche Aussagen bestätigen, dass wir uns nicht für das System, sondern für die Familien neu aufgestellt haben“, fasst Susanne Beier zusammen. Eine ganzheitliche Betreuung soll mit festgeschriebenen Dienstleistungsketten ermöglicht werden. Für die praktische Arbeit sollen Benutzerhandbücher entwickelt werden. „Durch die Bündelung aller Kräfte und Angebote können wir den Familien wirkungsvoll helfen und die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen in der nächsten Generation verhindern“, sagt Petra Schreier, Amtsleiterin beim Jobcenter des Kreises. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der FH Frankfurt. Ab Oktober werden die Ergebnisse analysiert – dann wird geprüft, ob sich das Modell landes- und kreisweit umsetzen lässt.

„Wir sind dankbar für diesen innovativen Ansatz. Ziel muss es sein, diesen landesweit umzusetzen und so für eine bessere Unterstützung von Familien im Langzeitleistungsbezug zu sorgen“, so Dr. Julia Brennecke, Referatsleiterin im NRW-Sozialministerium.

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