Überlastung und schlechte Bezahlung
Bild: Knöpker
Die schwierige Situation ihres Berufsstandes vor dem Hintergrund des Fachkäftemangels diskutierte (v.l.) Ingeborg Seliger mit den Hebammen Julia Arnst und Ute Bölling.
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Die Kabarettgruppe nahm den Schlankheitswahn und die oft schwierige Großeltern-Enkel-Beziehung humorvoll aufs Korn und warf einen Blick in eine Arztpraxis der Zukunft, in der ein Roboter das Krankheitsbild bestimmt.

Ob Familienhebamme, Angestellte im Krankenhaus oder freiberuflich tätig – es herrscht akuter Fachkräftemangel mit fatalen Folgen für die noch verbliebenen Hebammen: Sie sind überlastet, leisten viele Überstunden, haben keine geregelten Arbeitszeiten und sind in ständiger Rufbereitschaft. „Die Wege in die Krankenhäuser werden weiter, Kliniken schließen, im Kreis Warendorf gibt es Entbindungsstationen nur noch in Ahlen und Oelde“, berichtete Julia Arnst, Vorsitzende des Hebammen-Netzwerks Münsterland. Sie ist im Gegensatz Ute Bölling im Krankenhaus angestellt, doch die Vergütung entspreche in keiner Weise der Leistung, stellte sie fest. Bei durchschnittlich 8,50 Euro liege der Stundenlohn, das sei bei Freiberuflichen nicht anders. Hinzu komme, dass für die Nachsorge beim Hausbesuch nur eine halbe Stunde abgerechnet werden könne, der Umfang der Untersuchungen aber sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehme. Die Haftungsfrage sei von der Politik zwar vor vier Jahren entschärft worden, aber die Versicherungsprämien seien immer noch hoch, kritisierten die Hebammen. Hier müsse zumindest eine steuerliche Entlastung erfolgen, forderten sie. Die von der EU beschlossene Akademisierung der Ausbildung stelle angehende Hebammen vor weitere Herausforderungen. In Bochum, Köln und Düsseldorf gebe es Hochschulen, die Zahl der Plätze sei aber noch zu gering. Allerdings habe der Gesetzgeber eingeräumt, bis 2022 auch fachschulische Ausbildungen zulassen zu wollen.

Nach ausführlicher Diskussion mit vielen Fallbeispielen wurde der dringende Handlungsbedarf deutlich. Die Gleichstellungsbeauftragten haben das Thema bereits ans Ministerium für Heimat, Bauen und Gleichstellung weitergegeben, wollen sich jetzt über die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass weiterhin für Verbesserungen einsetzen. „Ich liebe meinen Beruf, der auch Berufung ist“, erklärten die Diskussionspartnerinnen übereinstimmend.

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